Schwert oder Frieden – was hat Jesus gebracht? - Was heisst denn: Ich bringe das Schwert?

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Schwert oder Frieden – was hat Jesus gebracht?
Friede...
... Schwert: ein Gegensatz
Einschub: Krieg verboten?
Was heisst denn: Ich bringe das Schwert?
Frieden, indem Gott den Vorrang erhält
Entzweiung wegen Jesus ...
... bis zur Verfolgung
Die Liebe zu Gott verbindet
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Was heisst denn: Ich bringe das Schwert?

Zurück zu unserem Rätselwort. Wenn Jesus sagt: „Ich bringe das Schwert“, dann meint er nicht Waffengewalt und Krieg. Wer ihm etwas anderes unterstellt, unterstellt ihm etwas Falsches. Die Kreuzritter konnten sich nicht auf diese Aussage berufen; der Islam hat nicht das Recht, das als Argument gegen Jesus anzuführen. Das Christentum ist keine kriegerische Religion. Jesus ist kein Feldherr, er ist der Prince of Peace, der Friedensfürst.

So haben es auch die christlichen Märtyrer aller Jahrhunderte gesehen. Heute gibt es ja in verschiedenen Religionen zahlreiche selbsternannte Märtyrer, die in Wirklichkeit schlicht und einfach Terroristen sind - bis an die Zähne bewaffnete Selbstmordattentäter. Sie nehmen ihren Tod ganz bewusst in Kauf, um denen, die sie für Feinde halten, Schaden zuzufügen. Kein christlicher Märtyrer hätte je so etwas getan. Andere mit in den Tod reißen, um den Feind zu bekämpfen - eine fürchterliche Perversion des Märtyrergedankens. Nein, die Märtyrer unter den ersten Christen und in allen späteren Generationen starben, damit andere leben können, oder sie starben, weil sie überzeugt waren, dass die Treue zu Gott mehr wert ist sogar als das Leben. Aber zum Schwert zu greifen, um Frieden zu schaffen? Auf diese Idee wäre nie einer gekommen.

Aber was hat Jesus dann gemeint, wenn er sagte: „Ich bringe das Schwert“? Um das herauszufinden, müssen wir ihm noch ein bisschen länger zuhören. Er hat nämlich weitergeredet, und für uns heißt das: weiterlesen in Matthäus: „Ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu entzweien, die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter; die eigenen Angehörigen werden zu Feinden.“ (Matthäus 10,35.36)

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Daran wird zunächst einmal deutlich: Frieden ist ein sozialer Begriff. Frieden hat damit zu tun, wie ich mit den anderen Personen in meinem Umfeld auskomme. Frieden ist ein Beziehungswort; es beschreibt, wie es um eine Beziehung steht. Zerrüttete Beziehungen bedeuten Unfrieden; harmonische Beziehungen bedeuten Frieden. Wenn zwei zerstrittene Parteien sich versöhnen, entsteht Frieden.

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Wenn Jesus also vom Schwert redet, denkt er an Entzweiung - nicht Entzweiung zwischen Völkern, sondern Entzweiung zwischen einzelnen Menschen.

Dieselbe Rede Jesu ist auch im Lukas-Evangelium überliefert. Manchmal ist es sehr nützlich, nachzuschlagen und zu vergleichen. In Lukas 12,51 heißt es: „Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Entzweiung.“ Sehen Sie, wie nützlich das ist? Hier steht statt Schwert Entzweiung. Mit einem Federstrich ist der Mythos beseitigt, Jesus sei gekommen, um Kriege gegen feindliche Völker zu führen!

Es geht um Entzweiung. Menschen, die sich bis dahin gut verstanden haben, werden sich fremd. Dicke Freunde werden erbitterte Feinde. Jesus wählt ein besonders krasses Beispiel: die Familie. Hier haben wir ihn wieder: Jesus, den Provokateur. Die Familie - das ist doch der Kern und das Fundament jeder Gesellschaft. Die Familie ist sakrosankt - bei uns im Westen vielleicht nicht mehr unbedingt, aber dafür umso mehr im Nahen Osten. Wenn irgendwo Frieden herrschen muss, dann in der Familie. Hier haben wir die engsten und wichtigsten Beziehungen, die es auf der Erde gibt. Treibe einen Keil zwischen Mann und Frau, treibe einen Keil zwischen Eltern und Kinder, und du zerstörst die Grundlage des menschlichen Zusammenlebens. Nie würde es in der nahöstlichen Kultur ein Sohn wagen, gegen seinen Vater zu rebellieren. Der Vater ist der Hausherr; was er sagt, wird gemacht.

Und was sagt Jesus? „Ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu entzweien!“ Wie bitte? Das soll der Messias sein, ein Entzweier statt ein Versöhner? Man hört die Leute förmlich nach Luft schnappen vor Empörung. „Ich bin gekommen, um die Tochter mit ihrer Mutter zu entzweien und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter.“ Na ja, das mit der Schwiegermutter und der Schwiegertochter könnten manche noch nachvollziehen - oder warum gibt es sonst so viele bitterböse Witze über diese Beziehung? (Mir selbst fällt es allerdings ziemlich schwer, mich da reinzuversetzen; ich habe die besten Schwiegereltern, die man sich denken kann, und meine Eltern hätten sich keine liebenwürdigere, tüchtigere und klügere Schwiegertochter wünschen können. - Vorgestern war Valentinstag; da darf man ruhig mal ein kleines Kompliment machen.) Aber es soll ja Familien geben, wo es gerade bei den Schwieger-Beziehungen noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Na ja. Aber dass Jesus die Gräben noch vertieft, statt sie zuzuschütten - das ist unerhört. Wie meint er das nur?