Schwert oder Frieden – was hat Jesus gebracht? - Die Liebe zu Gott verbindet mit dem Mitmenschen

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Schwert oder Frieden – was hat Jesus gebracht?
Friede...
... Schwert: ein Gegensatz
Einschub: Krieg verboten?
Was heisst denn: Ich bringe das Schwert?
Frieden, indem Gott den Vorrang erhält
Entzweiung wegen Jesus ...
... bis zur Verfolgung
Die Liebe zu Gott verbindet
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Die Liebe zu Gott verbindet mit dem Mitmenschen

Nochmals: Christus hat höchste Priorität. Er kommt noch vor der Ehefrau, vor dem Ehemann, vor den Kindern, vor den Eltern. Keine andere Liebe darf so groß sein, dass die Liebe zu Christus darüber in den Hintergrund tritt.

Nun hat sich also ein Mensch entschlossen, ganz zu Jesus zu gehören, sogar um den Preis, dass seine Angehörigen das nicht begreifen und sich gegen ihn stellen. Frage: Zerstört der christliche Glaube womöglich die sozialen Netze? Reisst er Menschen auseinander? Geht die Liebe zu Gott auf Kosten der Liebe zu den Mitmenschen?

Ich behaupte: Das Gegenteil ist der Fall! Überlegen Sie mal: Da wendet sich jemand von seiner Familie ab und Gott zu. Er will ab jetzt nur noch seinen Willen befolgen. „Herr, was möchtest Du von mir? Wie soll ich mich gegenüber meiner Familie verhalten?“ Er betet. Er liest in der Bibel. Und da stößt er z.B. auf folgende Worte von Jesus:

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe und mit deinem ganzen Verstand!“ Das ist das größte und wichtigste Gebot. Ein zweites ist ebenso wichtig: „Liebe deine Mitmenschen wie dich selbst.“ Matthäus 22,37-39

Merken Sie was? Jesus schickt den, der sich von den Menschen ab- und zu ihm hinwendet, zu den Menschen zurück!

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„Wenn sich jemand nicht um seine Angehörigen kümmert, vor allem um die, die unter einem Dach mit ihm leben, verleugnet er den Glauben und ist schlimmer als jemand, der nicht an Christus glaubt“ (1. Timotheus 5,8). „Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern! So ist es recht vor dem Herrn. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren“ (Epheser 6,1f). „Ihr Väter, behandelt eure Kinder nicht zu streng, damit sie nicht entmutigt werden“ (Kolosser 3,21). „Ihr Männer, liebt eure Frauen und seid nicht rücksichtslos gegen sie.“ (Kolosser 3,19).

Mit anderen Worten: Die Bibel bindet die Familienmitglieder so fest wie möglich aneinander in gegenseitiger Liebe und Achtung. Sie erlaubt nicht, dass jemand die Liebe zu Jesus zum Vorwand nimmt, um seine sozialen Pflichten zu vernachlässigen. Im Gegenteil: Gerade der, der Jesus gehört, hat stärkere Verpflichtungen gegenüber seiner Familie als irgendjemand sonst.

„Lasst uns allen Menschen Gutes tun, besonders denen, die durch den Glauben mit uns verbunden sind.“ Galater 6,10

Auch hier wieder: Der christliche Glaube führt nicht dazu, dass einem die Mitmenschen gleichgültig werden. Im Gegenteil: Gerade der, der sich intensiv mit Gott beschäftigt, hört von Gott den Befehl: Tu deinen Mitmenschen Gutes. Gerade der, der sich ganz Gott zu wendet, kann nicht bei Gott stehen bleiben, sondern wird von ihm in diese Welt zurückgeschickt, um hier für ihn tätig zu sein. Andere sollen durch ihn Gottes Liebe kennenlernen und fähig werden, gesunde Beziehungen aufzubauen, bei denen Gott die erste Geige spielt.

Die Bindung an Christus macht nicht weltsüchtig und nicht weltflüchtig, sondern welttüchtig.

Ist das nicht erstaunlich? Zuerst sieht es so aus, als zerstöre Jesus die zwischenmenschlichen Beziehungen. Aber am Ende zeigt sich: Jesus liegt alles daran, tiefe, echte Beziehungen unter uns Menschen aufzubauen. Der Weg über Gott scheint zunächst ein Umweg zu sein. Aber er ist die sicherste Garantie dafür, dass es zu neuen, festen, tiefen Verbindungen kommt. Das Schwert ist nötig, damit Frieden entsteht. Letztlich ist Jesus eben doch der Prince of Peace, der Friedensstifter. Er hat nie ein anderes Ziel verfolgt als einen umfassenden Frieden in seiner Schöpfung. Und er kennt den richtigen Weg, der an dieses Ziel führt.

Lassen Sie mich das noch am Beispiel der Ehe veranschaulichen. Wenn zwei sich richtig lieb haben, werden beide sich immer wieder fragen: Was kann ich tun, damit der andere es so richtig schön hat an meiner Seite? Sie werden viele Antworten finden: Tüchtig verdienen, damit keine Geldsorgen aufkommen. Zusammen Sport treiben, damit sie gesund bleiben. Romantische Abende miteinander verbringen, damit ihre Liebe immer wieder neu auflebt. Freunde einladen und angeregte Gespräche führen, damit ihre Ehe im wahrsten Sinn des Wortes beziehungsreicher wird. Alles gute, sinnvolle Überlegungen und Pläne. Aber es gibt eine Frage, die wichtiger ist als alle anderen: Was kann ich dazu beitragen, dass meine Frau, mein Mann Gott immer noch besser kennenlernt? Wie kann ich ihm/ihr helfen, Jesus immer noch lieber zu gewinnen? Das, scheint mir, ist aus der Sicht der Bibel die wichtigste Frage in der Ehe. Die Ehepartner können nichts Besseres für ihre Ehe tun, als wenn sie - jeder für sich und beide gemeinsam - ihre Beziehung zu Gott pflegen. Nichts verbindet so sehr miteinander wie die gemeinsame Beziehung zu Jesus. Hier liegt das Geheimnis einer guten Ehe: Man blickt sich nicht ständig gegenseitig in die Augen, sondern blickt miteinander auf Gott. Wenn das Ehepaar gemeinsam für eine gute Beziehung zu Gott sorgt, sorgt Gott für eine gute Beziehung des Ehepaars zueinander. Ein Ehebund nach Gottes Plan ist letztlich kein bila­terales Abkommen, sondern ein Dreierbündnis, und der Dritte im Bund ist der Erste im Bund. Ein Mann liebt seine Frau dann am allermeisten, wenn Gott ihm noch lieber ist als sie. Eine Frau kann ihrem Mann keinen größeren Gefallen tun, als wenn Gott ihr noch wichtiger ist als er. Miteinander lieben sie Gott. Miteinander setzen sie sich für Gottes Sache ein. Und Gott sorgt dafür, dass es ihnen und ihrer Ehe gut geht.

Zum Schluss noch einmal die Frage: Was hat Jesus denn nun gebracht - das Schwert oder den Frieden? Es ist ungefähr dieselbe Frage wie: Bringt mir ein Zahnarztbesuch Schmerzen oder Wohlbefinden? Unterm Strich und am Ende natürlich Wohlbefinden. Aber vorher muss ich einiges an Schmerzen in Kauf nehmen. Es geht nicht anders. Und wenn der Zahnarzt fair ist, wird er mich warnen: Es wird ziemlich weh tun. Also: Der Zahnarztbesuch bringt mir beides - erst den Schmerz und dann das Wohlbefinden. Das eine ist das Mittel, das andere der Zweck. Vielleicht graut mir so vor dem Bohren, dass ich einfach nicht hingehe. Dann habe ich zwar für den Augenblick Ruhe, aber langfristig ein viel größeres Elend. Wenn mir das klar ist, beiße ich auf die Zähne (oder vielmehr: ich reiße den Mund auf) und lasse mich behandeln. Es tut scheußlich weh, aber nachher habe ich dafür meinen Frieden. Es hat sich gelohnt.

Warum tut ein Zahnarztbesuch weh? Weil meine Zähne krank sind. Wären sie gesund, dann wäre die Arztvisite das reinste Vergnügen - Wohlbefinden von A bis Z. Käme Jesus mit seinem Frieden in eine friedliche Welt, dann wäre alles von vorneherein in Butter. Unsere Welt ist aber keine friedliche Welt. Wir liegen im Krieg miteinander; wir liegen im Krieg mit uns selbst; wir liegen im Krieg mit Gott. Die Welt im Kriegszustand. Und nun kommt Jesus und erklärt dem Krieg den Krieg. Vielen passt das nicht. Deshalb redet er vom Schwert. Der Frieden muss sich erst einmal durchsetzen. Aber letztlich geht es Jesus nicht um den Kampf; es geht ihm um den Frieden. Und wir, die wir uns zu Jesus bekennen, müssen die Konflikte nicht fürchten. Wir dürfen nicht um des lieben Friedens willen auf eine klare Stellungnahme zu Jesus verzichten. Wir sollen das Schwert in Kauf nehmen. Auf lange Sicht dürfen wir mit echtem Frieden rechnen. Weil Jesus bei uns ist, der Friedensfürst, haben wir als Friedensstifter langfristig die allerbesten Erfolgsaussichten.