Der Abenteurer Paulus - Missionshauptquartier

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Missionshauptquartier

Paulus war ja Missionar, und was ein richtiger Missionar ist, braucht ein Missionshauptquartier, ein Zentrum, wo die Arbeit koordiniert wird, wo die Fäden zusammenlaufen, wo die Missionsprojekte ihren Anfang nehmen und ihren Abschluß finden.

Wenn man die Apostelgeschichte liest, stellt man fest, daß das Unternehmen Missionarische Dienste Paulus & Co. während seiner weitgespannten Tätigkeit mehrere solche Hauptquartiere besaß. Und das waren nicht etwa Hintertupfingen und Kleinkleckersdorf, sondern wirklich herausragende Städte - zunächst Antiochien (die größte Stadt Syriens und nach Rom und Alexandrien die drittgrößte Stadt der Antike überhaupt), später Ephesus (die Metropole Kleinasiens, der heutigen Türkei) und schließlich Korinth (eine der wichtigsten Städte Griechenlands). Wie viele missionarische Vorstöße wurden von diesen drei Hauptquartieren aus unternommen!

Aber dann wird Paulus in Jerusalem von Gegnern des Evangeliums verhaftet; er wird nach Cäsarea verfrachtet, der Hauptstadt der römischen Provinz Judäa, und wird dort am Amtssitz des römischen Gouverneurs für mindestens zwei Jahre ins Gefängnis gesteckt. Aus. Vorbei.

Seine Gegner frohlocken: Endlich haben wir ihn kleingekriegt, endlich ist es uns gelungen, ihn mundtot zu machen. Jetzt dauert es nicht mehr lang, dann bricht das ganze Imperium Paulinum zusammen. Paulus war schließlich der führende Kopf der „Nazarenersekte“, wie man die junge christliche Bewegung verächtlich bezeichnete. Überall in der Welt stiftete er die Juden zum Aufruhr an. Damit ist jetzt Schluß. Die Jesus-Bewegung trocknet aus. Ihr Pioniermissionar und Vordenker ist aus dem Verkehr gezogen. Jetzt muß das Unternehmen Paulus Konkurs anmelden.

Aber dann lesen wir in Kapitel 24,23: „Gouverneur Felix wies den zuständigen Offizier an, Paulus zwar weiterhin in Gewahrsam zu halten, ihm jedoch Hafterleichterung zu gewähren und keinen seiner Freunde daran zu hindern, ihm behilflich zu sein.“

Der Gefangene Paulus darf von seinen Freunden besucht werden! Sie dürfen ihm behilflich sein! Felix dachte, als er das gestattete, natürlich an die Versorgung mit Essen und Kleidung und ähnlichen Dingen. Aber wir können sicher sein, daß die Freunde des Paulus ihm noch in ganz anderer Hinsicht behilflich waren. Den Christen, denen bis dahin die Hände gebunden waren, öffnen sich plötzlich ungeahnte Möglichkeiten:
  • Christen treffen sich bei Paulus zum Gebet: Die Gefängniszelle wird zum Gebetszimmer.
  • Christen holen sich bei Paulus Rat und Wegweisung: Die Gefängniszelle wird zum Seelsorgezentrum.
  • Christen lassen sich bei Paulus in der christlichen Lehre unterweisen: Die Gefängniszelle wird zur Bibelschule.
  • Christen aus ganz Palästina, vielleicht sogar aus der Türkei und aus Griechenland, schauen bei Paulus herein, holen sich Anweisungen für evangelistische Vorhaben und Ratschläge für den Gemeindebau: Die Gefängniszelle wird zum Umschlagplatz für die christliche Bewegung, zur Informations- und Ideenbörse.
Und noch etwas: Eines Tages wird Paulus aus seiner Zelle geholt; er soll (im Rahmen des gegen ihn geführten Prozesses) vor dem römischen Gouverneur sprechen. Und wenig später wiederholt sich das Ganze: Diesmal soll Paulus sich vor König Agrippa verteidigen. Hätte sich Paulus das vorher je träumen lassen? Daß er die höchsten Repräsentanten des jüdischen Volkes und des Römischen Reiches unter seinen Zuhörern hat? Damals in Damaskus, als er sein Leben Jesus unterstellte, kündigte Jesus an, daß er das Evangelium auch vor Königen bezeugen würde. Paulus mag oft über diese Zusage nachgedacht haben. Vielleicht hat er in seinen verschiedenen Missionshauptquartieren Strategien entwickelt, wie dieses Ziel erreicht werden könnte. Aber geklappt hatte es vorläufig noch nicht. Und jetzt plötzlich, wo er in einer Gefängniszelle steckt, kommt es zustande. Vom Gefängnis aus führte der Weg auf den Gipfel seiner gesamten Missionstätigkeit.

Was folgt daraus? Mit der Festnahme des Paulus wollten seine Gegner der ganzen christlichen Bewegung einen tödlichen Schlag versetzen. Aber das ist ihnen gründlich in die Hose gegangen. Paulus bleibt der führende Kopf des Unternehmens, und er stiftet weiterhin heilsamen Aufruhr in aller Welt. Gott kann, wenn es sein muß, auch aus einer Gefängniszelle ein Missionshauptquartier machen.