Der Abenteurer Paulus - Einer für alle

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Einer für alle

Das zweitletzte Kapitel der Apostelgeschichte, Kapitel 27, ist jener berühmte Bericht über die Schiffsreise des Häftlings Paulus von Cäsarea nach Rom, quer durchs halbe Mittelmeer, inklusive Seesturm und Schiffbruch, eines der ausführlichsten und aufschlußreichsten Dokumente der antiken Schiffahrtsgeschichte, und Lukas, der Verfasser der Apostelgeschichte, war selbst einer der Mitreisenden.

Da kommt ein großer Frachtsegler von Ägypten her, beladen mit Getreide zur Versorgung der Hauptstadt des Weltreichs. In Myra, an der Südküste der Türkei, steigt ein römischer Offizier mit einem Trupp Soldaten sowie einer Handvoll Gefangener zu; sie wollen nach Italien mitreisen.

Ich weiß nicht, ob die Matrosen erbaut waren über die neuen Passagiere. So ein Gefangenentransport bedeutet zusätzliche Umtriebe und bringt Unruhe mit sich. Der Offizier wird sicher das Kommando übernehmen wollen, und die Soldaten werden sich bestimmt nicht willenlos dirigieren lassen. Und da ist dieser eine Gefangene, Paulus, der zu allem Überfluß auch noch meint, er müsse ihnen gute Ratschläge erteilen: „Fahrt nicht weiter! Ich sehe große Gefahren voraus; wir riskieren Kopf und Kragen!“ Diese Landratte, hat null Ahnung von der Seefahrt und will uns belehren! Nichts da - wir segeln weiter!

Und prompt geraten sie in einen fürchterlichen Sturm, der von den Bergen Kretas über das Schiff hereinbricht. Vierzehn Tage lang treiben sie orientierungslos dahin, und am Ende der Irrfahrt zerschellt das Schiff auf einer Sandbank vor der Insel Malta.

Und die Besatzung? Die Seeleute, die Soldaten, die Gefangenen? Fanden sie alle den nassen Tod? Ja, sie hätten ihn gefunden, wenn nicht - ja, wenn Paulus damals in Myra nicht zugestiegen wäre. Mittendrin in diesen zwei Wochen voller Todesangst schickt Gott einen Engel zu Paulus und läßt ihm sagen: „Paulus, du brauchst dich nicht zu fürchten! Gott hat bestimmt, daß du vor dem Kaiser erscheinen sollst, und deinetwegen wird er allen, die mit dir auf dem Schiff sind, das Leben schenken“ (Vers 24). Wieso wurden alle gerettet? Es gibt nur einen Grund: Weil Paulus sich auf dem Schiff befand. Ohne ihn wäre das Schiff mit Mann und Maus untergegangen. Mit ihm und wegen ihm schenkte Gott allen das Leben. Ein Glück, daß er zugestiegen war!

Ich habe gedacht: Genau das ist die Bestimmung von uns Christen - wir sollen für unsere Umgebung ein Segen sein. Durch Abraham sollen alle Völker gesegnet werden. Durch den Sklaven Josef wurde der Ägypter Potifar und sein ganzes Anwesen gesegnet. Durch Paulus wurde die Schiffsbesatzung gesegnet und gerettet.

Dieser Segen, den Paulus den Mitreisenden brachte, zeigte sich nicht nur in dem Umstand, daß sie gerettet wurden, sondern auch ganz konkret am Verhalten des Paulus. Je länger der Sturm dauerte, desto deutlicher wurde, wer der eigentliche Kapitän auf dem Schiff war: Paulus. Natürlich hatte das Schiff einen fähigen Kapitän und tüchtige Matrosen. Aber im Orkan sackte ihnen allen das Herz in die Hose, und der Gefangene Paulus wurde zum heimlichen Kapitän, der Kommando und Kontrolle übernahm.
  • Paulus sagte exakt voraus, wie alles ausgehen würde: „Wir werden vor einer Insel stranden.“
  • Paulus befahl den Matrosen, die sich in einer Nacht- und Nebelaktion absetzen wollten, an Bord zu bleiben.
  • Paulus forderte alle zum Essen auf, nachdem sie vor lauter Anspannung und Ungewißheit tagelang nichts mehr zu sich genommen hatten und völlig geschwächt waren.
  • Paulus machte der demoralisierten Besatzung Mut: „Wir werden alle gerettet werden. Gott hat es mir versprochen.“
Unter Belastungen, sagt man, zeigt sich der wahre Charakter. Hier im Seesturm bewies Paulus Charakterstärke; er war die Ruhe selbst. Und woran lag das? Er hatte einen über sich, auf den er sich hundertprozentig verlassen konnte. Das machte ihn selbst gelassen, und andere konnten sich an ihm aufrichten. Mitten in der tobenden See gab es einen Halt, einen Fels in der Brandung: Paulus. So ärgerlich die Matrosen zu Anfang über diesen Passagier gewesen sein mögen - am Ende werden sie gesagt haben: Ein Glück, daß Paulus mitgereist ist.