Eine Sternstunde im Leben des Thomas - Ein neues Verhaltensmuster: Vertrauen

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Ein neues Verhaltensmuster: Vertrauen
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Ein neues Verhaltensmuster: Vertrauen

„Nicht sehen und trotzdem glauben“: Das traf nicht auf Thomas zu und nicht auf die Zwölf. Je­sus spricht hier von denen, die nach seiner Himmelfahrt an ihn glauben werden. Aber letztend­lich ist dieses große Wort Jesu doch auch an Thomas ganz persönlich gerichtet. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß Jesus einen leisen Tadel ausspricht, einen (allerdings ganz zurückhaltend formulierten) Vorwurf an die Adresse des Thomas (und wohl auch an die der anderen Jünger): Mußte ich euch wirklich erst so viele Beweise liefern, ehe ihr glaubtet? Ihr hattet doch so viele Jahre lang Gelegenheit, mich kennenzulernen. Ihr habt erfahren, daß ich Macht über alles habe, sogar über den Tod. Ihr habt gemerkt, daß ich vertrauenswürdig bin, daß man sich auf mein Wort verlassen kann. Viele Male habe ich euch angekündigt, daß ich von den führenden Männern unseres Volkes getötet würde - und genauso ist es gekommen. Warum hat euch das Kreuz dann so entsetzt? Und genauso viele Male habe ich euch angekün­digt, daß ich nach drei Tagen wieder lebendig werden und auferstehen würde. Warum schien euch das dann so unmöglich? Warum habt ihr nicht vielmehr darauf gewartet? Und du, Tho­mas: Du hast doch mitbekommen, daß die Frauen das Grab leer fanden; daß ein Engel ihnen sagte, sie sollten Jesus nicht bei den Toten suchen, er sei auferstanden; daß ich mit Maria ge­sprochen habe; daß ich Petrus begegnet bin; daß ich allen anderen meiner Jünger hier bereits erschienen bin. Hätte das nicht genügt? Hätte es da nicht längst bei dir klicken müssen? Fällt es dir so schwer, mir zu vertrauen? Mußt du wirklich jedesmal erst ein neues Wunder sehen, ehe du mir Glauben schenkst?

Nicht sehen und trotzdem glauben; Gott lieben, auch wenn wir nichts von seiner Nähe und Kraft spüren; ihm vertrauen, auch wenn er einmal nicht so eingreift, wie wir es gern hätten - das gehört zum Leben als Christ. „Wir leben im Glauben und nicht im Schauen“, sagt Paulus (2.Kor. 5,7). Oder, etwas verständlicher formuliert: „Unser gegenwärtiges Leben wird vom Glauben bestimmt und nicht vom Schauen.“ An Gott glauben, wenn man sicher ist, daß er im­mer sofort zu unseren Gunsten eingreift, ist keine Kunst. Ihn lieben, wenn er immer gleich alle Schwierigkeiten aus dem Weg räumt, ist geradezu billig. Aber ihn lieben und ihm die Treue halten, auch wenn uns das etwas kostet und auch wenn er sich für eine Zeitlang verborgen hält - das erst macht unsere Beziehung zu ihm tief und echt. Ein Mann liebt seine Frau - sagt er wenigstens. Kein Wunder, sie ist ja strahlend schön und kerngesund und liest ihm jeden Wunsch von den Augen ab. Aber wird er ihr auch noch die Treue halten, wenn sie krank und entstellt ist und nichts mehr leisten kann? Erst dann hat seine Liebe die Feuerprobe bestanden.

Diese Feuerprobe bestanden haben zum Beispiel die drei Freunde Daniels. Der babylonische König Nebukadnezar wollte sie zwingen, ein von ihm errichtetes goldenes Götzenstandbild anzubeten, und weil sie sich weigerten, drohte er, sie in einen glühenden Ofen werfen zu lassen. Die Reaktion der drei Freunde ist großartig: „Wir haben es nicht nötig, dir etwas darauf zu antworten. Unser Gott, dem wir gehorchen, kann uns zwar aus dem glühenden Ofen und aus deiner Gewalt retten, aber auch wenn er das nicht tut: Deinen Gott werden wir niemals vereh­ren, und das goldene Standbild, das du errichtet hast, werden wir niemals anbeten“ (Dan. 3,16-18). Sie vertrauen Gott, egal, ob er sie rettet oder nicht. Sie bestehen nicht darauf, seine Hilfe zu erleben. Sie wissen, daß Gott eingreifen kann, aber sie fordern sein Eingreifen nicht. Sie sind bereit, zu glauben, ohne zu sehen. Und vielleicht macht es Gott gerade deshalb besonders Freude, ein Wunder zu tun und sie zu retten. Sie haben die Feuerprobe bestanden - im doppel­ten Sinn.

Thomas, hättest du nicht auch glauben können, ohne Jesus gesehen zu haben? Er hätte sich dir doch sowieso gezeigt; du sollst ja ein Zeuge seiner Auferstehung sein. Lerne, ihm zu vertrauen, lerne zu glauben, ohne zu sehen! Du hast es dir zur Gewohnheit gemacht, bei allem zunächst die negative Seite zu sehen, alles zunächst anzuzweifeln, selbst wenn es aus der Ecke Gottes kommt, immer erst einen Beweis zu fordern, ehe du etwas für bare Münze nimmst. Jetzt dreh einmal dieses Verhaltensmuster um und gib ihm einen Vertrauensvorschuß! Beginne diesen le­benslangen Lernprozeß, Gott zu vertrauen; vertraue ihm auch einmal blind. Du vertraust ja nicht Hinz und Kunz, du vertraust dem, der dir und unzähligen anderen schon so viel Gutes getan hat; du vertraust dem, der für dich gestorben und für dich auferstanden ist. „Glücklich, wer nicht sieht und trotzdem glaubt.“

Gebet

Herr Jesus Christus, wir danken dir dafür, daß du auferstanden bist, wirklich und leibhaftig auferstanden. Seit Deiner Auferstehung gibt es wirkliches Leben, Leben, das nicht mehr be­grenzt ist durch den Tod. Bis zu deiner Auferstehung war der Tod die stärkste Macht, der sich am Ende alle unterwerfen mußten, auch die Mächtigen dieser Erde. Aber du hast die Macht des Todes gebrochen. Du hast zum erstenmal diese unüberschreitbare Grenze überschritten. Der Tod hat verloren, das Leben hat gewonnen. Und damit ist auch alles überwunden, was zum Tod führt und was Vorstufen des Todes sind: Leid, Schmerz, Müdigkeit, Mutlosigkeit. Das alles gibt es zwar noch, aber es hat für uns seinen Schrecken verloren. Seit deiner Aufer­stehung gibt es neue Perspektiven. Jetzt können wir dieses irdische Leben gelassen angehen, können es sinnvoll führen. Bei dir ist das neue Leben schon umfassend da; bei uns hält es nach und nach Einzug. Wir wollen dir vertrauen - für uns persönlich, für unsere Familien, für unsere Gemeinden. Danke, daß du, der Auferstandene, bei uns bist. Amen.