Gebet – das Kennzeichen eines Christen - Das Gebet und der Heilige Geist

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Gebet – das Kennzeichen eines Christen
Das Gebet und der Heilige Geist
Beten heißt: die Beziehung zu Gott pflegen
Die Geschichte des Gebets: Bitten und Danken
Zwei Auswirkungen
Ein Mustergebet als Gebetsmuster: “Abba, Vater!“
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Das Gebet und der Heilige Geist

Es gibt zum Gebet einen Vers im Römerbrief, der ist ganz große Klasse - Römer 8,15. Zum besseren Verständnis lese ich den vorangehenden Vers mit dazu:

„Alle, die sich von Gottes Geist leiten lassen, sind seine Söhne und Töchter. Denn der Geist, den ihr empfangen habt, macht euch nicht zu Sklaven, sodass ihr von neuem in Angst und Furcht leben müsstet; er hat euch zu Söhnen und Töchtern gemacht, und durch ihn rufen wir, wenn wir beten: ‚Abba, Vater!' “

Was steht hier in Sachen Gebet? „Durch ihn (den Geist Gottes) rufen wir, wenn wir beten: Abba, Vater!“ Beten hat demnach mit dem Heiligen Geist zu tun. Der Heilige Geist bringt uns dazu, dass wir beten. Dieser Zusammenhang ist grundlegend wichtig; er erklärt, wieso Beten tatsächlich das Kennzeichen eines Christen ist.
Christwerden und Geistesempfang gehören zusammen:
  • Wenn man Christ ist, hat man den Heiligen Geist.
  • Wenn man den Heiligen Geist nicht hat, ist man kein Christ.
Römer 8 ist ja das große Kapitel vom Heiligen Geist. Paulus sagt in Vers 9: „Gottes Geist wohnt in uns“ (gemeint ist natürlich: in denen, die zu Jesus Christus gehören, in den Christen). Er wohnt in uns: Wir können das ruhig mal ganz wörtlich nehmen. Da ist also eines Tages ein Möbelwagen vorgefahren, da hat jemand bei uns Einzug gehalten. Wann war das? Das war an dem Tag, als wir unser Leben Jesus öffneten, bei unserer Umkehr zu ihm. Es gibt heute nicht wenige Christen, die meinen, der Heilige Geist ziehe erst später ins Leben ein, im Rahmen einer Geistestaufe, am besten in Verbindung mit einem so außergewöhnlichen Erlebnis wie dem Reden in unverständlichen Sprachen. Paulus teilt diese Ansicht nicht. Christwerden und Geistesempfang gehören für ihn untrennbar zusammen. In Vers 9 schreibt er: “Wenn jemand diesen Geist nicht hat, gehört er nicht zu Christus“, und in Vers 10: “Wenn Christus in euch ist, dann habt ihr den Geist empfangen“. Mit anderen Worten: Wenn man Christ ist, hat man den Heiligen Geist; wenn man den Heiligen Geist nicht hat, ist man kein Christ. Der Besitz des Heiligen Geistes ist nicht das Prärogativ einer bestimmten Gruppe von Christen, er ist das Kennzeichen aller, die zur Gemeinde Jesu gehören.

Gleichzeitig muss aber auch betont werden: Er ist ausschließlich das Kennzeichen derer, die zur Gemeinde Jesu gehören. Viele wollen heute Erfahrungen mit dem Heiligem Geist machen, ohne sich Jesus zu unterstellen. Christsein ist out, aber spirituelle Frömmigkeit ist in. Nur: Da macht Gott nicht mit. Den Heiligen Geist gibt es nur über Jesus, nicht an Jesus vorbei. Der Heilige Geist ist kein zweites Erlösungsmittel, kein vom Kreuz unabhängiger Weg zu Gott.

Alle Christen haben den Heiligen Geist.

Nur Christen haben den Heiligen Geist.

Der Heilige Geist ist also nun bei uns eingezogen - aber wohlgemerkt: nicht als Gast, sondern als neuer Hausherr. Wenn Gott im Leben eines Menschen Einzug hält, dann immer nur als Herr, nie als Dienstbote. Er gehört nicht ins Gästezimmer, sondern in den Wohnraum. Ein Gast rümpft vielleicht die Nase über die Bilder, die wir an der Wand hängen haben, und äußert sich abfällig über die Farbe unserer Tapeten. Aber das ist auch alles; verändern darf er nichts. Wie es bei uns aussieht, bestimmen wir, die Gastgeber. Anders ist es, wenn wir diesen neuen Bewohner bewusst bitten, Hausherr zu werden: Dann bestimmt er, wie es bei uns aussieht. Dann kommen seine Möbel nicht ins Kellerabteil, sondern in die Wohnung; dann sagt er, welches Buch und welche Zeitschrift eigentlich nicht in unser Haus gehören und was vielleicht statt dessen angeschafft werden sollte; dann bestimmt er über mögliche Gäste und Gesprächsinhalte. Kurz gesagt: Den Tapetenwechsel vollzieht er.

Was bringt denn nun dieser neue Bewohner mit? Was tragen die Möbelpacker in mein Haus, wenn ich mich entschließe, mein Leben Jesus Christus anzuvertrauen? Eine ganze Menge (nicht nur quantitativ, sondern vor allem qualitativ):

  • Leben (V. 6 und 10)
  • Frieden (V. 6)
  • Kraft (V. 11)
  • Freiheit (V. 15)
  • Gewissheit (V. 16)
  • Hoffnung (V. 17)

Beten heißt, von morgens bis abends über alles, was uns beschäftigt, mit Jesus reden.

Aber dann bringt der Heilige Geist uns noch etwas in Haus: die Bereitschaft zum Gebet; das Verlangen zu beten; die Freude am Gebet. Vers 15: „Durch ihn rufen wir, wenn wir beten: Abba, Vater!“ Auch Nichtchristen beten ja hin und wieder zum lieben Gott - vor allem unter Druck, in Verzweiflung, wenn sie keinen Ausweg mehr sehen. Aber das ist eigentlich nur so etwas wie ein Notschrei, herausgeschleudert aus einem Kessel, der zu sehr unter Druck steht; das Gebet ist wie ein Ventil, wo sich der Druck einen Ausweg schafft. Aber wenn dann der Druck nachlässt, ist es mit dem Gebet vorbei - aus und vergessen. Regelmäßiges Beten als ein Herzensbedürfnis (um einmal dieses altmodische Wort zu gebrauchen) kennt der Nichtchrist nicht. Wie sollte er auch? Beten ist Reden mit Gott, aber wie soll man mit jemand reden, den man nicht kennt und nicht mag? Wieso soll man das Gespräch mit jemand suchen, von dem man nichts wissen will? Und umgekehrt: Dass ein Christ mit Gott redet, ist selbstverständlich. Ein Kind hat seinen Eltern gegenüber ein natürliches Mitteilungsbedürfnis. Wenn es von einem Schulausflug nach Hause kommt und nicht erst einmal erzählt, wie es war, sondern sich schnurstracks in sein Zimmer verzieht, stimmt irgend etwas nicht. Wenn ein Mensch Christ wird, entsteht in ihm mit einemmal der Wunsch zu beten. Er beginnt eine Tätigkeit, die er vorher nie ausgeübt hat. Er beginnt, mit seinem Vater im Himmel über sein Gedanken und Empfindungen und Taten zu sprechen. Es ist ihm ein Anliegen, ihn dabeizuhaben, um seinen Rat zu bitten, um seinen Schutz, um seinen Segen. Er bittet ihn um Vergebung, er dankt und lobt. Gott ist plötzlich bewusst mit einbezogen in unser Leben. Wo wir etwas tun, was wir nicht mit Gott besprechen können, was wir lieber vor ihm geheimhalten möchten, da können wir sicher sein, dass es nichts Gutes ist. Beten heißt, von morgens bis abends über alles, was uns beschäftigt, mit Jesus zu reden.

Die Ursünde des Menschen:
Abbruch der Beziehung zu Gott.

Die Umkehr des Menschen:
Wiederaufnahme der Beziehung zu Gott.

Die erste Hälfte des Römerbriefs ist gewissermaßen eine Abhandlung über die Heilsgeschichte - eine Abhandlung darüber, wie wir Menschen einen Graben zwischen uns und Gott aufgerissen haben und wie Gott über diesen Graben eine Brücke gebaut hat, um die abgebrochene Beziehung wieder herzustellen. Paulus fängt damit an, dass er von der Schuld des Menschen spricht, Römer 1 bis 3. Worin bestand die Ursünde? Kap. 1,21: “Trotz allem, was die Menschen über Gott wussten, erwiesen sie ihm nicht die Ehre, die ihm zukommt, und blieben ihm den Dank schuldig.“ Es ist der Bruch des ersten Gebots: “Ich bin der Herr, dein Gott; du sollst keine anderen Götter neben mir haben!“ Es ist der Abbruch der Beziehung mit dem, der unser Leben gemacht hat und es erhält. Alles andere - der Bruch der übrigen Gebote, die Zerstörung der zwischenmenschlichen Beziehungen - folgt dann daraus. Die Ursünde ist religiös, nicht moralisch. Und worin besteht folgerichtig eine echte Lebensumkehr? Nicht in moralisch hochstehenden Handlungen, sondern in der Wiederaufnahme der Beziehung zu Gott, und die zeigt sich eben nirgends deutlicher als am Gebet. Alles andere - z. B. eine bessere Lebensführung - wird dann die Frucht davon sein.