Gleicher Lohn für alle!? - Wer sich für gesund hält, geht nicht zum Arzt

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Gleicher Lohn für alle!?
An einem Tag wie jeder andere ...
... steht plötzlich alles Kopf
Wer sich für gesund hält, geht nicht zum Arzt
Macht Liebe neidisch?
Das Päckchen für dich, das Paket für mich
Liebe lässt sich nicht halbieren
Wir wollen das, was wir schon haben!
Sieh doch, das Gute liegt so nah!
Alle kriegen was zu hören
Wer bei Gott Karriere macht ... und wer nicht
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Wer sich für gesund hält, geht nicht zum Arzt

Kleine Zwischenfrage: Wie ist es denn mit den Ersten, den Allerersten? Sie bekamen doch genau den abgemachten Lohn. Sie mussten die Güte Gottes also nicht in Anspruch nehmen, um vor ihm bestehen zu können, oder? Ich glaube nicht, dass Jesus so was lehren wollte. Im Weinberg Gottes sind alle auf seine Güte angewiesen. Dass die Ersten im Gleichnis wie abgemacht ihren Denar bekommen, liegt einfach an der Geschichte. Wie will man sie auch anders erzählen? Der springende Punkt ist nicht der Lohn der Ersten, sondern der Lohn der Letzten.

Aber nehmen wir mal an, das mit dem gerechten Lohn für die Ersten wäre doch bedeutsam. Wissen Sie, wie ich das dann deute? Ihr Leistungslohn spiegelt nicht die tatsächlichen Verhältnisse im Reich Gottes wider, sondern drückt aus, was sie empfinden. Sie haben den ganzen Tag geschuftet, auch in der glühenden Mittagshitze, auch bei dem ausdörrenden Wüstenwind. Jetzt wollen sie ihren gerechten Lohn dafür. Okay, den sollen sie haben. Einen Denar. Nicht weniger. Aber auch nicht mehr. Hätten sie sich nicht auf ihre Leistung berufen, sondern auf Gottes Güte, wer weiß, vielleicht hätten sie auch das Zwölffache bekommen! Aber sie wollten nicht gütig behandelt werden, sondern gerecht.

In Kapitel 9 seines Evangeliums beschreibt Matthäus, der ehemalige Zolleinnehmer, wie Jesus einmal in seinem Haus zu Gast war. Matthäus hatte viele Berufskollegen und andere Leute von schlechtem Ruf eingeladen. Matthäus erinnert sich, wie empört die Pharisäer darüber waren: „Wie kann euer Meister nur zusammen mit Zolleinnehmern und Sündern essen?“ Als Jesus das hörte - so erzählt Matthäus -, erwiderte er: „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken ... Ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder.“ (Matthäus 9, 12.13) Eine höchst erstaunliche Antwort! Jesus tut so, als seien die Pharisäer gesund, als seien sie gerecht. Er tut so, als brauchten sie seine Hilfe nicht. Sind sie wirklich gesund? Können sie mit ihrer Gerechtigkeit wirklich vor Gott bestehen? Nicht die Spur! Aber das müssen sie selbst herausfinden. Solange sie sich für kerngesund halten, werden sie sich niemals dazu herablassen, auch nur einen Fuß ins Sprechzimmer dieses Arztes zu setzen.

So ähnlich, denke ich, verhält es sich mit den Ersten in unserem Gleichnis. Sie pochen auf Gerechtigkeit und meinen, sie kämen ohne Gottes Güte aus. Nun gut, sollen sie ihren Willen haben. Mal sehen, ob sie am Ende reicher dran sind oder ärmer. Und wer weiß, ob sie eines Tages nicht doch noch begreifen, was die Letzten gleich im ersten Anlauf begriffen haben: „Wir leben ganz und gar von Gottes Güte.“