„Hast du mich lieb?“ - Bei Gott bleibt niemand arbeitslos

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„Hast du mich lieb?“
Ein grosser Mann mit einem grossen Schatten
Jesus, der Magnet, der Chef, der Hirte
Die Frage aller Fragen
Eine ehrliche Antwort
Bei Gott bleibt niemand arbeitslos
Ungewohnte Perspektiven
Nachtrag: Zwei Sorten Liebe?
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Bei Gott bleibt niemand arbeitslos

Jesus stellt Petrus nicht nur eine Frage, er gibt ihm auch einen Auftrag: „Sorge für meine Lämmer! Hüte meine Schafe! Sorge für meine Schafe!“ Dreimal dieselbe Frage. Dreimal derselbe Auftrag. Damit ist Petrus wieder in sein Amt eingesetzt. Jesus vertraut ihm von neuem die Aufgabe an, die er ihm schon versprochen hatte: „Auf dich werde ich meine Gemeinde bauen.“ „Sorge für meine Schafe!“ lautet der Auftrag jetzt. Unmittelbar vor dem Beginn von Jesu Leidensgeschichte berichtet Lukas von einem ergreifenden Gespräch zwischen Jesus und Petrus. „Simon, Simon“, sagte Jesus, „der Satan hat sich erbeten, euch schütteln zu dürfen wie den Weizen im Sieb. Ich aber habe für dich gebetet, dass du deinen Glauben nicht verlierst. Wenn du dann umgekehrt und zurechtgekommen bist, stärke den Glauben deiner Brüder!“ (Lukas 22, 31 und 32) Was kündigte Jesus dem Petrus da an? „Satan wird dich schütteln wie den Weizen im Sieb!“ Das erfüllte sich in jener schrecklichen Stunde der Verleugnung. „Ich bete für dich, dass du deinen Glauben nicht verlierst!“ Das erfüllte sich, als Petrus weinte und Buße tat. „Wenn du dann umkehrst und zurechtkommst, stärke den Glauben deiner Brüder!“ Das wird sich von jetzt an erfüllen. Petrus bekommt den Auftrag, für seine Mitchristen zu sorgen. „Hüte meine Schafe!“

Liebloser Dienst? Dienstlose Liebe?

Hier wird ein Zusammenhang hergestellt zwischen Liebe zu Jesus und Dienst für Jesus, und dieser Zusammenhang ist auch für uns wichtig.

Kein Dienst ohne Liebe! „Liebst du mich? Dann hüte meine Schafe!“ Liebe zu Jesus ist die entscheidende Voraussetzung dafür, dass man etwas für Jesus tun kann. Jesus fragt nicht: Traust du dir das zu? Bringst du die nötige Begabung mit, die nötige Erfahrung, den nötigen Mut, das nötige Kapital? Er fragt: Hast du mich liebt? Man muss Jesus lieben, wenn man ihm dienen will. Wie formuliert es Paulus in 1. Korinther 13? „Wenn ich alle Gaben und alle Erkenntnis besitzen würde, aber keine Liebe habe, bin ich nichts.“ Nur wer Jesus liebt, ist ihm von Nutzen. Oder, aus einer anderen Perspektive formuliert: Jeder, der Jesus liebt, ist ihm von Nutzen.

Also: Kein Dienst ohne Liebe. Es gilt aber auch das Umgekehrte: Keine Liebe ohne Dienst! Es gibt keine echte Liebe zu Jesus, die nicht in einen Einsatz für Jesus mündet. Wir beweisen ihm unsere Liebe nicht mit Treueschwüren und nicht mit religiösem Gefühlsüberschwang, sondern durch unser Tun (vergleiche 1. Johannes 3, 18). Jesus lieben heißt Jesus gehorchen, heißt seine Anweisungen befolgen, heißt sich für ihn einsetzen. „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“ (Johannes 14, 15) So nüchtern sieht Jesus die Liebe. Die Begegnung zwischen Jesus und Petrus ist ja hoch emotional, aber gerade deshalb finde ich es bezeichnend, wie sachlich sie ausgeht. Die beiden fallen sich nicht um den Hals (zumindest wird nichts davon berichtet; es kann also nicht das Wichtigste gewesen sein). Sie brechen nicht in Freudengeschrei aus: Wie wunderbar, dass du mir vergibst! Wie wunderbar, dass du mich wieder liebst! Nein, es geht viel sachlicher zu. Du liebst mich? Dann beweise es mir durch deinen Einsatz für mich. „Sorge für meine Schafe!“ Keine Liebe ohne Dienst.

Von Schafen, Hirten und Oberhirten

Was bedeutet das denn ganz praktisch: „Hüte meine Schafe!“? Die Schafe - das sind die Christen. Petrus soll ihr Hirte sein. Ein Hirte ist kein Herrscher. Er beutet die Herde nicht aus. Im Gegenteil: Ein Hirte ist verantwortlich für das Wohl seiner Herde. Er führt die Tiere auf grüne Wiesen und zu Bächen mit frischem Wasser, er bewacht sie, wenn der Weg durch ein finsteres Tal führt, und hält Gefahren von ihnen fern. Er kämpft um sie, und wenn es sein muss, lässt er sogar sein Leben für sie. Das tut ein guter Hirte. Das hat der gute Hirte Jesus getan. Und Petrus soll es ihm nachtun. Ich glaube, Petrus hat seine Lektion gelernt. In seinem ersten Brief schreibt er an die Ältesten der Gemeinde folgendes: „Leitet die Gemeinde, die Herde Gottes, die euch anvertraut ist, als rechte Hirten. Kümmert euch um sie, nicht weil es eure Pflicht ist, sondern aus innerem Antrieb, so wie es Gott gefällt. Tut es nicht, um euch zu bereichern, sondern aus Hingabe. Führt euch nicht als Herren auf, sondern gebt euren Gemeinden ein Vorbild. Denn werdet ihr, wenn der oberste Hirte kommt, den Siegeskranz erhalten, der nie verwelkt.“ (1. Petrus 5, 2-4)

Die katholische Kirche leitet aus diesem Befehl (“Hüte meine Schafe!“) das Papsttum ab. Petrus, der erste Papst, der Oberhirte der Christenheit. Aber so hat Jesus das nicht gemeint. Während des Gesprächs dreht Petrus sich um und sieht Johannes hinter ihnen her gehen. „Und was wird aus ihm?“ fragt er Jesus. Petrus ist unsicher. Hüte meine Schafe, hat Jesus gesagt. Bin ich jetzt also für Johannes zuständig? Nein, entgegnet Jesus. Was aus Johannes wird, geht dich nichts an. „Folge du mir nach!“ Jesus hat ihm also ausdrücklich verwehrt, über alle anderen Christen zu bestimmen. Deshalb hat Petrus sich auch keineswegs als der einzige Hirte gesehen. Er hat andere aufgefordert, ebenfalls Hirten zu sein. Und sowieso - alle Hirten hier auf der Erde haben ja noch einen Hirten über sich, den obersten Hirten, Jesus Christus. Und die Schafe gehören nicht Petrus; sie sind und bleiben das Eigentum von Jesus. „Hüte meine Schafe!“