Heilung auf Raten - Die Freunde des Gelähmten: vorbildlich in ihrem Glauben

Beitragsseiten
Heilung auf Raten
Die Freunde des Gelähmten: vorbildlich in ihrem Glauben
Die Gesetzeslehrer: fromme Spitzel mit unheiligen Motiven
Jesus Christus: der Interessanteste von allen
1. Lektion: Zwischen Krankheit und Sünde besteht ein Zusammenhang
2. Lektion: Sünde ist schlimmer als Krankheit; Vergebung ist wichtiger als Heilung
3. Lektion: Jesu eigentlicher Auftrag
4. Lektion: Wie Jesus als Seelsorger handelt
5. Lektion: Was gehen Jesus die Sünden anderer Menschen an?
Wie Jesus sich als Sohn Gottes in unserer Welt eingeführt hat
Zwei mögliche Schlussfolgerungen
Die zweite Rate der Heilung
Alle Seiten

1. Die Freunde des Gelähmten: vorbildlich in ihrem Glauben

Da sind die vier Freunde des Gelähmten. Sie wollten den Kranken unbedingt zu Jesus bringen. Dummerweise waren sie nicht die einzigen, die zu Jesus wollten. Als sie zu dem Haus kamen, in dem Jesus sich aufhielt (wahrscheinlich das Haus seiner beiden Jünger Petrus und Andreas), war bereits kein Durchkommen mehr. Innen gab es nicht mal mehr einen Stehplatz, und vor dem Eingang drängten und drückten die Menschen dermaßen, dass für sie - zu viert und zwischen sich die Matte mit dem Gelähmten - nicht die geringste Chance bestand, auch nur in die Nähe von Jesus zu kommen. Was tun? Umkehren? Das ganze Unternehmen abblasen? Kommt nicht in Frage, niemals. Fieberhaft überlegen sie, sehen hilfesuchend umher. Ihr Blick fällt auf die Außentreppe, die aufs flache Dach des Hauses hinaufführt. Und plötzlich haben sie eine Idee: Wenn wir nicht dort rein können, wo der Maurer das Loch gemacht hat, müssen wir selber ein Loch graben und uns Zugang verschaffen. Gesagt, getan. Sie steigen der Menge, die sich um Jesus drängt, buchstäblich aufs Dach, und dort oben, schön in der Mitte, genau über Jesus, beginnen sie das Dach abzutragen. Zuerst die Schicht aus festgestampfter Erde und dann die Lagen aus Zweigen, Stroh und Lehm, mit denen die Zwischenräume zwischen den Dachsparren ausgefüllt waren. Und schon hatten sie ein Balken-Viereck freigelegt, groß genug, um die Matte mit dem Gelähmten nach unten zu lassen. Genau vor die Füße von Jesus. Ganz schön anstrengend. Und eigentlich ganz einfach.

Die Bibel sagt: „Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten ...“ Wie kam Jesus darauf, dass diese Männer an ihn glaubten, dass sie ihm vertrauten? Er sah es an ihrem Einsatz, an ihrer Hartnäckigkeit, an ihrer Zielstrebigkeit. Sie hatten sich vorgenommen, ihren kranken Freund zu Jesus zu bringen, und sie brachten ihn zu Jesus. Kein Hindernis der Welt konnte sie davon abhalten. Offensichtlich waren sie felsenfest überzeugt, dass Jesus dem Gelähmten helfen würde; Jesus war ihre ganze und einzige Hoffnung. Das alles sah Jesus, als er diese Männer sah. Er sah ihren Glauben.

Wir können von den Freunden des Gelähmten mindestens zwei grundlegende Dinge lernen, die echten Glauben auszeichnen.

(a) Echter Glaube lässt sich nicht vom Ziel abbringen

Wer glaubt, gibt nicht auf. Glauben hat mit Beharrlichkeit zu tun. Glaube ist keine Eintagsfliege, sondern ein Langzeitprojekt. Glaube und Treue gehören zusammen. (Im Griechischen sind „Glaube“ und „Treue“ dasselbe Wort, und genauso auch im Hebräischen.) Die vier Männer wollen zu Jesus. Aber dann ist der Zugang zu ihm verstellt. Was jetzt?

  • „Lassen wir's halt bleiben!“?
  • „Verschieben wir es auf ein andermal!“?
  • „Womöglich ist es ein Wink des Himmels, dass es heute nicht sein soll!“?

Wir kennen diese Überlegungen, die so schnell zu Ausreden werden.

  • Jemand würde sich eigentlich gern näher mit Jesus befassen. Aber es gibt halt noch so viele andere interessante Themen. Da wird die Frage nach Gott eben auf die lange Bank geschoben. Ist das Glaube?
  • Jemand möchte sich bewusst Zeit nehmen fürs Bibellesen und Beten. Aber immer wieder kommt ihm was dazwischen. Schließlich lässt er es ganz bleiben. Sieht so Glaube aus?
  • Jemand hat an seinem Arbeitsplatz etwas getan, was er nicht hätte tun sollen, und nimmt sich vor, mit dem Kollegen zu reden und die Sache in Ordnung zu bringen.
Aber das braucht Mut; das Herz schlägt ihm bis zum Hals, als er an die Tür des Kollegen klopft. Und dann macht niemand auf; der Kollege ist gerade gar nicht da! Uff, da hab ich aber Glück gehabt. Ich hab's versucht, aber es hat nicht sollen sein. Ist das die Art, wie Glaube handelt?

Echter Glaube lässt sich nicht davon abhalten, das zu tun, worauf es bei Gott ankommt. Die vier Männer jedenfalls haben sich nicht beirren lassen. Die unerwarteten Schwierigkeiten ließen sie nicht resignieren, sondern machten sie wagemutig und erfinderisch. Sie hatten ein klares Ziel: Jesus. Und nichts und niemand auf der Welt konnte sie daran hindern, ihr Ziel zu erreichen, die lieben Mitmenschen nicht und auch nicht die Mauern, die zwischen ihnen und Jesus standen. Das ist Glaube. Das sah Jesus. Und darüber freute er sich.

(b) Echter Glaube äußert sich in Taten

Glaube bleibt nicht unsichtbar. Es stimmt natürlich: Der Glaube ist eine Herzensangelegenheit, er ist sozusagen im Innersten des Menschen angesiedelt. Darum heißt es in der Bibel:

 „Der Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott aber sieht ins Herz.“ (1. Samuel 16,7)

Man kann nach außen hin unheimlich fromm tun und im Herzen ein elender Egoist sein. Menschen mögen sich blenden lassen, Gott nicht. Sein Blick dringt durch alle Fassaden. Er sieht uns ins Herz.

Aber so wichtig diese Feststellung ist - sie kann schnell zur Ausrede werden, zur Ausrede für ein bequemes, angepasstes Christenleben. Wenn es nicht aufs Äußere ankommt, warum soll ich mich dann anstrengen? Womöglich denken die anderen dann noch, ich würde mehr auf meine eigenen Leistungen geben als auf das, was Jesus getan hat. Nein, nein, gute Taten braucht es nicht. Der Glaube genügt. Wissen Sie, was das Neue Testament dazu sagt?

„Was hat es für einen Wert, wenn jemand behauptet: ‚Ich habe Glauben!', aber er hat keine guten Taten vorzuweisen? Kann der bloße Glaube ihn retten? ... Wenn aus dem Glauben keine Taten hervorgehen, ist der Glaube tot.“ (Jakobus 2,14.17)

Glaube beginnt im Herzen, ganz richtig. Aber wenn er echt und beständig ist, wird er auch äußerlich sichtbar. Einen heimlichen Glauben, von dem niemand nichts weiß - so was kennt die Bibel nicht. [Römer 10,10] Echter Glaube äußert sich (buchstäblich!), er tritt von innen nach außen, kommt zum Ausdruck im Leben und Handeln des Glaubenden. Wenn ich wirklich an die Realität Gottes glaube, wenn ich von der Wirksamkeit der biblischen Aussagen überzeugt bin, dann wird das einen Einfluss auf mein Verhalten haben.

„Jesus sah ihren Glauben“, heißt es. Er musste gar nicht in ihr Herz blicken, um ihn zu sehen. Es genügte, wenn er zu dem Loch in der Decke hinaufblickte, das immer größer wurde. Es genügte, wenn er die Strohteilchen und die Lehmbröckchen spürte, die auf ihn herunterrieselten. Es genügte, wenn er den keuchenden Atem der Männer hörte, die ihren Freund auf seiner Matte herabließen. Das sagte ihm genug. Ihre Beharrlichkeit und ihre Anstrengung zeigten ihm, wie sehr sie auf seine Liebe und seine Macht vertrauten. Gott sieht uns nicht nur ins Herz; er sieht uns auch auf die Finger.