Heilung auf Raten - Die zweite Rate der Heilung

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Heilung auf Raten
Die Freunde des Gelähmten: vorbildlich in ihrem Glauben
Die Gesetzeslehrer: fromme Spitzel mit unheiligen Motiven
Jesus Christus: der Interessanteste von allen
1. Lektion: Zwischen Krankheit und Sünde besteht ein Zusammenhang
2. Lektion: Sünde ist schlimmer als Krankheit; Vergebung ist wichtiger als Heilung
3. Lektion: Jesu eigentlicher Auftrag
4. Lektion: Wie Jesus als Seelsorger handelt
5. Lektion: Was gehen Jesus die Sünden anderer Menschen an?
Wie Jesus sich als Sohn Gottes in unserer Welt eingeführt hat
Zwei mögliche Schlussfolgerungen
Die zweite Rate der Heilung
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Die zweite Rate der Heilung

Den Rest der Geschichte ist schnell erzählt. Jesus, der die angeblich so frommen Gesetzeshüter durchschaut, stellt ihnen eine Frage: „Was ist leichter - zu dem Gelähmten zu sagen: ‚Deine Sünden sind dir vergeben' oder: ‚Steh auf, nimm deine Matte und geh umher!'?“ Na, was ist wohl leichter? Ziemlich knifflig, diese Frage. Sünden vergeben ist sicher besonders schwer. Andererseits: Sagen kann man das noch schnell; schließlich kann keiner nachprüfen, ob sie dann wirklich vergeben sind. Heilen ist vielleicht nicht ganz so schwer wie vergeben; andererseits: Wenn ich zu einem Gelähmten sage: „Steh auf!“, und er bleibt liegen, dann bin ich blamiert.

Vergeben und Heilen:

Beides ist gleich schwer - für Menschen.

Beides ist gleich einfach - für Gott.

Wissen Sie, was ich vermute? Jesus wollte seine Gegner einfach zum Nachdenken bringen. In Wirklichkeit ist nämlich beides gleich schwer. Beides ist nur Gott möglich. Nur Gott kann vergeben, und nur Gott kann heilen. Beides ist gleich weit entfernt von unseren menschlichen Möglichkeiten. Der Unterschied ist nur der: Das eine kann man nachprüfen, das andere nicht. Vergebung spielt sich im unsichtbaren Bereich ab, und prompt bestreiten die Pharisäer, dass Jesu Aussage von der Vergebung wirksam ist. Heilung dagegen spielt sich im sichtbaren Bereich ab; jeder kann sich selbst vom Erfolg oder Misserfolg überzeugen. Und deshalb holt Jesus jetzt das nach, worauf alle von allem Anfang an gewartet haben. Er tut das Wunder, das sie sehen können, damit sie glauben, dass er auch das Wunder getan hat, das sie nicht sehen konnten. Heilung auf Raten. Er wendet sich noch einmal zu dem Gelähmten und befiehlt ihm: „Steh auf, nimm deine Matte und geh nach Hause!“ Nochmals atemlose Stille. Und diesmal geschieht das Wunder, das keiner nachträglich abstreiten kann: Der Mann steht auf, rollt seine Matte zusammen, wirft sie sich über die Schulter und geht vor den Augen der versammelten Menge hinaus.

Übrigens verschwand er nicht einfach - wortlos und undankbar. O nein. Lukas berichtet, dass der Mann Gott lobte und pries, als er nach Hause ging. Er hatte Jesus vertraut, und sein Vertrauen war belohnt worden. Er hatte auf Heilung gehofft, und er hatte Heilung bekommen. Und als wäre das nicht schon mehr als genug, hat Jesus die Heilung sogar noch getoppt. Er hat ihm vergeben. Der Mann war frei - frei von Schuld und frei von der Lähmung, frei für einen kompletten Neuanfang. Krank an Leib und Seele war er gekommen, gesund an Leib und Seele ging er wieder. Was für ein Tag! O happy day, when Jesus washed my sins away! Und seine Freunde werden mit ihm gejubelt haben.

Und die Gesetzeslehrer?

Die standen am Ende ganz schön belämmert da. Erst hatten sie frohlockt über so viel Naivität bei diesem Jesus. Er hätte doch einfach den Mund halten und den Gelähmten heilen können, wie er es sonst immer tat; dann hätten sie nichts gegen ihn in der Hand gehabt. Aber nein, er fing ganz von allein von der Vergebung an und lieferte sich ihnen damit selbst ans Messer. Denn vergeben, das durfte, das konnte er nicht. Doch dann koppelte Jesus die Vergebung mit der Heilung. Vor aller Augen lieferte er den Beweis für seine Macht über die sichtbare Welt, indem er den Körper heilte. Wie konnten sie jetzt noch bestreiten, dass er auch Macht über die unsichtbare Welt hatte und den Mann auch von seinen Sünden heilte? So siegessicher waren sie gewesen, und ehe sie sich's versahen, waren sie auf die Verliererstraße geraten. Sie konnten nur noch die Köpfe einziehen und sich möglichst unauffällig durch die jubelnde Menschenmenge nach draußen wegstehlen.

Jesus, das Multigenie

Wenn ich mir überlege, wie er in dieser Geschichte aufgetreten ist, dann denke ich: Jesus ist ein Multigenie. So viele wollten gleichzeitig etwas von ihm: Manche wollten eine tolle Predigt hören. Manche wollten ein spektakuläres Wunder erleben. Einige wollten ihn in eine Falle locken. Einer wollte gesund werden. So viele Anforderungen und Herausforderungen auf einmal. Und Jesus ist ihnen allen gerecht geworden.
  • Jesus hat als Seelsorger gehandelt, an dem Gelähmten: Er hat ihn voll Liebe auf seine Sünden aufmerksam gemacht.
  • Jesus hat an ihm auch als Retter gehandelt: Er hat ihn von der Last seiner Schuld befreit.
  • Jesus hat als Lehrer gehandelt, nämlich an der ganzen Schar der Zuschauer: Er hat ihnen etwas über die Prioritäten im Reich Gottes beigebracht - Sünde ist schlimmer als Krankheit; Vergebung ist wichtiger als Heilung -, und er hat ihnen eine Ahnung davon gegeben, dass er der Sohn Gottes ist.
  • Jesus hat sich als Prophet erwiesen, und zwar gegenüber den frommen Spitzeln: Er durchschaute sie, und er bot ihnen die Chance, umzudenken.
  • Jesus hat sich als König erwiesen: Er demonstrierte seine Macht über die von ihm geschaffene Welt, indem er den verkrüppelten Körper wiederherstellte.
Und all das im Grunde genommen mit zwei Sätzen. „Dir sind deine Sünden vergeben!“ und „Steh auf!“ So große Wirkungen mit so wenigen Worten! Jesus war alles andere als ein eindimensionaler Mensch. Er war imstande, gleichzeitig ein ganzes Dutzend Eisen im Feuer zu schmieden. Was er sagte, war sozusagen polyvalent; was er tat, war multifunktional. Das klingt schrecklich technisch, ich weiß, aber mir macht es Jesus groß, wenn ich so denke, und es gibt sowieso keine geeigneten Ausdrücke, um ihm gerecht zu werden. Wir können ihn einfach nur bewundern. Und wir können ihn lieben und uns ihm zur Verfügung stellen.

„Das Leben schreibt die besten Geschichten“, sagt man, und das stimmt sicherlich. Aber ich würde diese kluge Einsicht noch ein klein wenig ausbauen: „Das Leben mit Jesus schreibt die allerbesten Geschichten.“ Der Gelähmte von Kafarnaum hat bei seiner Begegnung mit Jesus solch eine allerbeste Geschichte erlebt. Und Ihnen und mir wünsche ich ebenfalls viele solche allerbeste Geschichten - Geschichten mit Jesus.