Heilung auf Raten - 4. Lektion: Wie Jesus als Seelsorger handelt

Beitragsseiten
Heilung auf Raten
Die Freunde des Gelähmten: vorbildlich in ihrem Glauben
Die Gesetzeslehrer: fromme Spitzel mit unheiligen Motiven
Jesus Christus: der Interessanteste von allen
1. Lektion: Zwischen Krankheit und Sünde besteht ein Zusammenhang
2. Lektion: Sünde ist schlimmer als Krankheit; Vergebung ist wichtiger als Heilung
3. Lektion: Jesu eigentlicher Auftrag
4. Lektion: Wie Jesus als Seelsorger handelt
5. Lektion: Was gehen Jesus die Sünden anderer Menschen an?
Wie Jesus sich als Sohn Gottes in unserer Welt eingeführt hat
Zwei mögliche Schlussfolgerungen
Die zweite Rate der Heilung
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4. Lektion: Wie Jesus als Seelsorger handelt

„Mein Sohn, dir sind deine Sünden vergeben!“ Dabei handelt es sich auch um eine zutiefst seelsorgerliche Anrede, ein Gespräch wie unter vier Augen. Der Gelähmte hat Dinge getan, die nicht in Ordnung sind, und er weiß das. (Dass seine Schuld mit seiner Krankheit zu tun hat, sagt die Bibel nicht. Auch als Gesunder könnte er ein belastetes Gewissen haben.) Seine Krankheit plagt ihn, aber seine Sünde plagt ihn noch mehr. Vielleicht war er, als er sich mit seinen Freunden auf den Weg zu Jesus machte, völlig auf seine Heilung fixiert. Aber jetzt, wo er endlich am Ziel ist, Auge in Auge mit Jesus, da geht es ihm wohl so, wie es Petrus einmal gegangen ist, als er Jesus begegnete. Petrus hatte sich vor Jesus auf die Knie geworfen und gesagt: „Herr, geht fort von mir! Ich bin ein sündiger Mensch.“ (Lukas 5,8) Der Gelähmte sieht den vor sich, der nie eine Sünde begangen hat und der daher eine Autorität besitzt wie kein anderer Mensch. Und da ist ihm plötzlich bewusst, dass er noch an einer anderen Stelle seines Lebens Heilung braucht, nicht nur an seinen gelähmten Beinen. „Du brauchst dich nicht zu fürchten, mein Sohn“, sagt Jesus zu ihm (nach dem Bericht im Matthäus-Evangelium, Kapitel 9,2). „Deine Sünden sind dir vergeben.“

„Deine Sünden sind dir vergeben“ - das heißt übrigens nicht, dass sie ihm irgendwann früher einmal vergeben wurden. Nein, das heißt: Jetzt, in diesem Augenblick werden sie ihm vergeben. Jesus selbst vergibt ihm. Jesus heilt ihn in seinem Innersten. Heilung auf Raten - und das Beste, das Wichtigste kommt zuerst!

Jesus als Seelsorger:

feinfühlig und behutsam

kein Wort zu wenig, kein Wort zu viel.

Stellt Jesus diesen Mann damit eigentlich nicht bloß? Ist das nicht diskriminierend, vor der ganzen Menge von seiner Sünde zu sprechen? Ich stelle mir vor, ich wäre damals dabei gewesen, und plötzlich hätte sich Jesus zu mir gewandt und hätte laut gesagt: Andreas, dir sind deine Sünden vergeben! Wie peinlich! Jetzt wissen alle, dass ich dunkle Flecken in meinem Leben habe! Die anderen hielten mich doch immer für einen Mann mit blütenweißer Weste, und jetzt zerreißt Jesus diesen frommen Schein. Ist das noch korrekt? Geht er da nicht zu weit? Ich denke, Jesus ist haargenau richtig weit gegangen - keinen Schritt zu wenig, keinen Schritt zu viel. Ja, er spricht von der Sünde dieses Mannes. Aber er nennt keine Einzelheiten. Er fordert kein detailliertes Schuldbekenntnis. Er führt kein Beichtgespräch, das nicht für fremde Ohren bestimmt wäre und bei dem doch alle mithören würden. Was alle gehört haben, ist lediglich dieser eine Satz, mit dem Licht auf das Dunkel im Leben des Mannes fällt. Und jeder in diesem Raum muss erschrecken und sich fragen: Was würde Jesus zu mir sagen? Sieht er auch mir bis auf den Grund des Herzens? Kennt er auch meine Vergangenheit, meine Schattenseiten? Und mancher denkt vielleicht: Wenn er doch auch mir vergeben würde! Ich hab Heilung genauso nötig wie dieser Gelähmte!

Noch etwas müssen wir beachten: Jesus hat dem Mann keine Vorwürfe gemacht. Er hat nicht gesagt: „Du hast gesündigt!“ Wenn ein Kranker zu einem Arzt kommt, stellt dieser als erstes eine Diagnose. Er erfasst und beschreibt das Krankheitsbild so genau wie möglich. Erst danach sucht er nach einer geeigneten Therapie. Aber der Arzt Jesus bringt sozusagen die Diagnose bei der Therapie unter. Nicht erst: Du bist ein Sünder!, und dann: Mal sehen, was sich dagegen machen lässt. Nein, Jesus spricht sofort von der Therapie („Dir sind deine Sünden vergeben!“), und man begreift eigentlich erst im Rückblick, worin die eigentliche Krankheit des Mannes bestand (in seiner Sünde). So feinfühlig ist Jesus, so behutsam geht er vor. Ein einziger Satz, und jedes einzelne Wort war nötig, um dem Mann zu helfen, und kein einziges Wort war zuviel angesichts der vielen Zuhörer und Zuschauer.

Was wäre, wenn ein paar Tage später jemand zu dem Geheilten gesagt hätte: „He du, ich wusste gar nicht, dass du mal was Unrechtes getan hast!“? - „Doch, doch“, könnte der Geheilte antworten. „Jesus hatte völlig recht. Aber vergiss nicht, was er über meine Sünden gesagt hat: Sie sind mir vergeben! Und daran gibt es nichts zu rütteln. So sicher, wie er mich von meiner Lähmung befreit hat, so sicher hat er mich auch von all meiner Schuld befreit.“