Heilung auf Raten - 5. Lektion: Was gehen Jesus die Sünden anderer Menschen an?

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Heilung auf Raten
Die Freunde des Gelähmten: vorbildlich in ihrem Glauben
Die Gesetzeslehrer: fromme Spitzel mit unheiligen Motiven
Jesus Christus: der Interessanteste von allen
1. Lektion: Zwischen Krankheit und Sünde besteht ein Zusammenhang
2. Lektion: Sünde ist schlimmer als Krankheit; Vergebung ist wichtiger als Heilung
3. Lektion: Jesu eigentlicher Auftrag
4. Lektion: Wie Jesus als Seelsorger handelt
5. Lektion: Was gehen Jesus die Sünden anderer Menschen an?
Wie Jesus sich als Sohn Gottes in unserer Welt eingeführt hat
Zwei mögliche Schlussfolgerungen
Die zweite Rate der Heilung
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5. Lektion: Was gehen Jesus die Sünden anderer Menschen an?

„Dir sind deine Sünden vergeben!“ An diesem Satz fällt noch etwas auf, etwas höchst Ungewöhnliches. Vielleicht haben Sie es bisher gar nicht bemerkt. Dann soll Sie ein kleines Anspiel auf den Trichter bringen.

[Rainer, Thomas und Markus auf die Bühne. Markus hält sich im Hintergrund. Rainer lehnt sich - mit dem Rücken zum Rednerpult - gegen den Flügel und blättert konzentriert in einem Buch. Thomas schleicht sich von hinten an ihn heran und zieht ihm vorsichtig das Portemonnaie aus der Gesäßtasche. Wie er sich gerade wieder davonmachen will, merkt Rainer etwas, greift an die leere Tasche, blickt sich um - und schreit Thomas an: „He, was soll das! Sie haben mir mein Geld geklaut! Geben Sie mir sofort mein Geld zurück!“ - Thomas streckt ihm ängstlich den Geldbeutel hin: „Tut mir schrecklich leid. Ich hab gleich gewusst, dass das nicht gut geht. Können Sie mir verzeihen?“ - Jetzt tritt Markus, der alles beobachtet hat, aus dem Hintergrund auf Thomas zu und sagt: „Ich vergebe Ihnen!“ - Thomas: „Sie? Was haben Sie denn damit zu tun?“]

Ich glaube, jetzt ist uns klar, was so merkwürdig ist an dieser Aussage Jesu. Was hat denn Jesus mit den Sünden des Gelähmten zu tun?
  • Wenn ein Kind seine Eltern anlügt, muss es seine Eltern um Verzeihung bitten, nicht den Onkel oder die Tante.
  • Wenn ein Angestellter seinen Chef betrügt, muss er sich beim Chef entschuldigen, nicht bei seinen Kollegen. Denen hat er schließlich nichts getan.
Es gibt allerdings jemand, an dem er sich mit seiner Betrügerei ebenfalls versündigt hat. Aber dieser Jemand ist kein Mensch, sondern ist Gott. Sünde spielt sich zwischen Menschen ab; sie hat eine horizontale Dimension (man könnte auch sagen: eine soziale Dimension). Einmal versündige ich mich an dem Mitmenschen und einmal an dem. Aber Sünde hat auch eine vertikale (oder religiöse) Dimension. Sünde richtet sich gegen Gott, und das gilt immer und in jedem Fall. Denn Gott, der uns das Leben geschenkt hat, hat uns auch gesagt, wie wir unser Leben so führen können, dass er Freude daran hat. Sündigen heißt: Von Gottes Vorstellungen für unser Leben abweichen. Wenn ich gegen Gottes Willen handle, ist einmal mein Nachbar betroffen und ein andermal meine Frau und wieder ein anderes Mal ein guter Freund; aber immer und jedes Mal ist auch Gott betroffen. Deshalb gibt es immer zwei Adressen, an die ich mich wenden muss, um Vergebung zu bekommen: in der horizontalen Dimension den Mitmenschen, dem ich weh getan habe, und in der vertikalen Dimension Gott, dem ich
ebenfalls weh getan habe.

Nun, Jesus gehörte ganz sicher nicht zu den Mitmenschen, an denen sich der Gelähmte versündigt hat. Die beiden waren sich bis dahin vermutlich noch nie begegnet. Und trotzdem sagt Jesus: „Ich vergebe dir!“ Es kann nur einen einzigen Grund dafür geben: Jesus ist Gott in Person. Nur dann hat der Gelähmte sich tatsächlich an Jesus versündigt, und nur dann hat Jesus das Recht und die Macht, zu sagen: „Ich vergebe dir!“ Auf eine ganz subtile, ganz zurückhaltende Art macht er dem Gelähmten klar, mit wem er es zu tun hat: mit dem Sohn Gottes.