„Herzlichen Glückwunsch!“ - Selig??

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„Herzlichen Glückwunsch!“
Selig??
Erstes Stichwort: Gottes Reich
Jesus Christus - der Himmelreichsbürger par excellence
Gottes Reich ist anders
Drei kleine Beobachtungen
Zweites Stichwort: Die Belohnung
Was Belohnung bedeutet
Zum Schluss: Bin ich ein Stück Nacht, oder bin ich ein Stern?
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„Selig“??

Beginnen möchte ich mit einer kleinen sprachlichen Anmerkung. Man redet gewöhnlich von den „Seligpreisungen". Von der Lutherbibel her haben wir alle die Formulierung im Ohr: „Selig sind, die geistlich arm sind. Selig sind ... Selig sind ...“ Zu Luthers Zeiten mag das okay gewesen sein; heutzutage drückt „selig“ nicht unbedingt das aus, was hier gesagt werden soll. Erstens mal verwenden wir dieses Wort heute so gut wie gar nicht mehr. Und zweitens bedeutet es - wenn wir es doch einmal gebrauchen - bei uns etwas anderes als das, was hier gemeint ist.
  • Im christlich-frommen Jargon sprechen wir schon mal vom „Seligwerden“; wir meinen damit, dass jemand durch Jesus Christus gerettet wird - die Sünden werden ihm vergeben, und er bekommt das ewige Leben geschenkt. Aber diese Bedeutung passt in den Seligpreisungen nicht richtig. „Gerettet wird, wer sanftmütig ist“?? „Gerettet wird, wer trauert“?? Das ginge dann wohl doch zu weit. Da wäre noch mancher Christ, ohne es überhaupt zu wissen!
  • In bestimmten Redewendungen bedeutet „selig“ so viel wie „verstorben“: „mein seliger Herr Papa“. Aber das ist eher scherzhaft als ernsthaft gemeint, und sowieso: In den Seligpreisungen läge man damit total daneben.
  • In der Katholischen Kirche denkt man an Heilige, die vom Papst „selig gesprochen“ werden. (Genau heute z. B. wird Mutter Teresa aus Kalkutta selig gesprochen!)
  • Und wenn wir eine poetische Ader haben, sagen wir vielleicht: „Als das Kind sein Geschenk auspackte, hat es selig gelächelt“ (es war zutiefst beglückt).
  • Nichts von alledem trifft hier zu.
  • Man könnte vielleicht übersetzen: „Gesegnet sind die, die ...“ Nur wird mit „gesegnet“ meist ein anderes griechisches Wort wiedergegeben.
  • Manche übersetzen mit: „Glücklich sind die, die ...“ Aber auch das kommt nicht ganz hin. Überlegen Sie mal: „Glücklich sind die, die trauern!“ Nein, wer trauert, ist nicht glücklich; entweder man lacht oder man weint. Es geht nicht darum zu beschreiben, wie sich jemand fühlt. ob er glücklich ist oder niedergeschlagen. „Jemand ist glücklich“ - das ist eine subjektive Feststellung, eine Aussage über die innere Befindlichkeit. Aber darüber redet Jesus hier nicht. Er macht eine objektive Feststellung, er sagt, wie der Betreffende objektiv einzuschätzen ist.

Jemand muss aus beruflichen Gründen zum ersten Mal von zu Hause fort. Fort von seiner Familie, fort von Spielkameraden und Schulfreunden, fort von der bezaubernden stillen Landschaft, die ihm so ans Herz gewachsen ist. Wenn man diesen Abschied subjektiv betrachtet, dann ist da ein Kloß im Hals und ein zentnerschwerer Stein auf dem Herzen. Aber wenn man den Abschied objektiv angeht, muss man sagen: Mensch, du hast es gut. Du kannst dich weiterbilden. Du lernst die Hauptstadt kennen. Du kommst in Kontakt mit vielen interessanten Leuten. Dein Horizont wird weit, dein Leben wird reich. Mag sein, dass du dich unglücklich fühlst. Aber eigentlich bist du zu beneiden. Du kannst dich glücklich preisen. Herzlichen Glückwunsch!

Entsprechend haben wir den Ausdruck denn auch in der Neuen Genfer Übersetzung wiedergegeben: „Glücklich zu preisen sind die, die ...“

selig =
?gerettet?
?verstorben?
?selig gesprochen?
?beglückt?
?glücklich?

!glücklich zu preisen!