„Konfliktbewältigung“

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„Konfliktbewältigung“
Der Brief des Apostels Paulus an Philemon
I. Die Personen - 1. Paulus, Apostel und Gefangener
II. Das Dilemma
III. Wege zur Konfliktbewältigung
IV. Konflikt gelöst?
V. Taktik ist kein Tabu
Neutestamentliche Texte zur Sklavenfrage
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Der Brief des Apostels Paulus an Philemon

Ich möchte mit Ihnen über eine Begebenheit nachdenken, die sich zur Zeit des Neuen Testaments abgespielt hat. Sie handelt von drei Männern - einem Sklavenhalter, einem Sklaven und einem Gefangenen. Kein sehr attraktives Personal! Ich könnte allerdings auch sagen: Sie handelt von drei Christen. Jetzt klingt das Ganze schon ein bisschen erfreulicher. Der Sklavenhalter wird in der ganzen Bibel ein einziges Mal mit Namen genannt, der Sklave genau zwei Mal. Es scheint sich also nicht gerade um besonders wichtige Leute zu handeln. Und doch sind die beiden - der Sklavenhalter und sein Sklave - so wichtig, dass der dritte, der Gefangene, einen Brief über sie geschrieben hat. Diesen Brief will ich Ihnen jetzt vorlesen. Er findet sich im Neuen Testament, und schon daran können Sie sehen, wie bedeutsam die Sache ist, um die es damals ging, und dass es sich lohnt, auch heute noch darüber nachzudenken.

Es handelt sich um den Philemonbrief, den Brief, den der Gefangene Paulus an den Sklavenhalter Philemon über den Sklaven Onesimus schrieb. Übrigens haben wir hier das einzige uns erhaltene Stück Privatkorrespondenz aus der Feder des Apostels Paulus. Alle andere Briefe sind entweder direkt an Gemeinden gerichtet (Römer, Korinther, Galater, Epheser, Philipper, Kolosser, Thessalonicher) oder sie sind zwar an Einzelpersonen gerichtet (Timotheus, Titus), aber Paulus schreibt an sie in ihrer Funktion als Gemeindeleiter, so dass auch diese Briefe zum Vorlesen vor der jeweiligen Gemeinde gedacht sind. Die einzige Ausnahme bildet, wie gesagt, der Philemonbrief. Hier schreibt Paulus in einer ganz persönlichen Angelegenheit an einen einzelnen Christen. Es ist deshalb auch der kürzeste von allen Paulusbriefen, die uns im Neuen Testament erhalten sind; er ist so kurz, dass man ihn später nicht in Kapitel unterteilt hat, sondern nur in Verse - 25 Verse insgesamt. Man kann sich natürlich noch kürzere Briefe vorstellen (z. B. so: „Liebe Anrede, es grüßt dich Deine Unterschrift“); aber verglichen mit den übrigen Paulusbriefen ist der an Philemon schon ziemlich knapp geraten.

Ich lese ihn jetzt einmal an einem Stück vor, und zwar nach der Neuen Genfer Übersetzung. Ich habe diesen Brief erst letztes Jahr neu übersetzt, und Sie sind die erste Gemeinde, die ihn in dieser Fassung zu hören bekommt!

Paulus schreibt den Brief natürlich nicht einfach, um ein Stück Papyrus vollzukritzeln; er hat ein ganz bestimmtes Anliegen. Und hinter seinem Anliegen steht eben die Begebenheit, die ich eingangs erwähnt habe. So gut wie alles, was wir von den bewegenden Ereignissen wissen, die sich zwischen dem Sklavenhalter, dem Sklaven und dem Gefangenen abgespielt haben, wissen wir aus diesem kleinen Brief. Versuchen Sie mal gleich beim ersten Hören, herauszufinden, was sich da abgespielt hat und mit welchem Anliegen Paulus an Philemon schreibt.