Neue Perspektiven durch Jesus - auch für Frauen - Mann und Frau stehen Seite an Seite vor Gott

Beitragsseiten
Neue Perspektiven durch Jesus - auch für Frauen
Mann und Frau im Lukasevangelium: Beispiele
Mann und Frau in der Apostelgeschichte: Beispiele
Mann und Frau stehen Seite an Seite vor Gott
Vertauschung der Rollen!
Maria und Martha, neues Verständnis von der Rolle der Frau
Die Frau befreit als Jüngerin Jesu
Schlussbemerkung zum Feminismus
Alle Seiten

Mann und Frau stehen Seite an Seite vor Gott

Vielleicht ist Ihnen diese Parallelführung von Mann und Frau bei Lukas noch nie aufgefallen. Man liest oft nur einen einzelnen Vers, eine einzelne Begebenheit. Aber sobald man einmal einen Schritt zurücktritt und das Evangelium bzw. die Apostelgeschichte als Ganzes überblickt, springt einem diese ständige Doppelung geradezu ins Auge. Die Parallelität von Mann und Frau kann kein Zufall sein. Dazu kommt sie viel zu häufig vor; dazu ist Lukas ein viel zu gewissenhafter und sorgfältig gestaltender Historiker. Außerdem findet sich vieles von dem jetzt angeführten Material nur in seinem Evangelium, nicht bei Matthäus, Markus oder Johannes. Es handelt sich hier offensichtlich um ein Struktur-Element, und offensichtlich will Lukas seinen Lesern damit etwas sagen: Mann und Frau stehen Seite an Seite vor Gott. Gott kümmert sich um beide genau gleich; die Erlösung gilt beiden genau gleich. Beide sind vor Gott gleich viel wert, und beiden ist er gleich gnädig. Lukas muß gar nicht ausdrücklich darauf hinweisen, muß nicht viele Worte darüber verlieren. Die bloße Anordnung des von ihm ausgewählten Stoffes macht es klar: Mann und Frau sind in Gottes Heilsplan genau gleich bedeutsam. In der neuen Gemeinschaft der Christen stehen sie nicht auf verschiedenen Stufen; sie stehen Seite an Seite.

Letztlich ist es natürlich nicht Lukas, der uns das klarmacht; es ist Jesus. Lukas hat die Berichte zwar entsprechend zusammengestellt, aber geredet und gehandelt hat Jesus. Jesus ist es, der die Frau aus ihrer Zweitklassigkeit herausgeholt und ihr den gebührenden Platz an der Seite des Mannes wiedergegeben hat als ein gleichwertiges Geschöpf Gottes, dem keine speziellen Einschränkungen auferlegt werden müssen und das an allen Segnungen Gottes genauso Anteil hat wie der Mann. Jesus hat das gemacht, nicht Lukas.

Und trotzdem muß man sich fragen: Wieso betonte gerade Lukas daß Jesus die Unterdrückten befreien und den Leidenden helfen wollte? Eins ist schließlich klar: Lukas konnte unmöglich alles berichten, was es über Jesus zu berichten gab. Am Ende des Johannes-Evangeliums heißt es: „Wenn alles einzeln aufgeschrieben würde, was Jesus getan hat - ich glaube, die Welt wäre zu klein, um all die Bücher zu fassen, die man dann schreiben müßte“ (Joh. 21,25). Lukas mußte eine Auswahl treffen unter den zahllosen Reden und Taten Jesu. Außerdem mußte er das ausgewählte Material ordnen, gliedern und strukturieren. Von daher ist es sicher kein Zufall, wenn gerade in seinem Werk immer wieder neben dem Mann die Frau steht, ja wenn die Frau sogar als Beispiel für den Mann hervorgehoben ist und wenn so ausführlich davon berichtet wird, wie Jesus gerade mit Frauen umgegangen ist - mit jungen Mädchen, mit ausländischen Frauen, mit Müttern, Witwen, Prostituierten, Kranken, die als unrein galten usw. Ich denke, Lukas berichtet das, was ihm persönlich besonders wichtig geworden ist und was ihm für seine Leser besonders wichtig scheint.

Ihm persönlich ist die Frauenfrage vielleicht deshalb so wichtig geworden, weil er von Haus aus Arzt war. Er hatte viel zu tun mit Krankheiten, sozialer Benachteiligung und häuslichem Elend. Das hat ihn geplagt, und er hat es - vielleicht mehr als die anderen Jünger - als besonders wohltuend empfunden, wie sehr Jesus sich gerade um die vom Leben und von der Gesellschaft Benachteiligten kümmerte.

Und was seine Leser betrifft: Wir wissen nicht genau, wann Lukas sein Evangelium schrieb - es muß irgendwann in der zweiten Hälfte des 1. Jh nach Chr. gewesen sein. Wir wissen auch nicht genau, für wen sein Bericht bestimmt war. Gewidmet ist er Theophilus, aber sicher hatte Lukas von vorneherein einen größeren Leserkreis im Auge. Eins scheint auf jeden Fall klar: Auch noch zu Lukas‘ Zeit gab es starke Vorbehalte gegenüber dem, was Jesus über die Frauen gelehrt und wie er sie behandelt hat. Offensichtlich war es immer noch umstritten, daß Frauen genau wie Männer Objekt der Gnade Gottes sind, daß sie selbst genau wie Männer Jünger Jesu sein können, ja daß ihr Glaube sogar ein Vorbild für Männer sein kann.