Nichts kann uns von Gottes Liebe trennen - Der Blick über die Wolkendecke

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Nichts kann uns von Gottes Liebe trennen
Überflüssig? Überragend!
Die entscheidende Wende
Die entscheidende Frage
Einer gegen alle - und der Eine gewinnt!
Gottes Liebe hat einen Namen
Nöte trennen nicht, Nöte verbinden
Der Blick über die Wolkendecke
Besser für Christus leiden als ohne Christus feiern
Alles zum Besten? 4 Fragen und 4 Antworten
Gebet von Paul Gerhardt
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Der Blick über die Wolkendecke

Ich bin ja Mitarbeiter an einem Bibelübersetzungsprojekt, der sogenannten Neuen Genfer Übersetzung. Das Neue Testament als Ganzes ist leider noch nicht abgeschlossen, aber das letzte Buch des Neuen Testaments, die Offenbarung, haben wir bereits übersetzt. (Wir halten uns eben nicht immer an die vorgegebene Reihenfolge.) Und dabei ist mir etwas aufgegangen. Was ist eigentlich die Absicht dieses Buches? Viele lesen die Offenbarung wie einen SBB-Fahrplan. Sie blättern darin herum, sie vergleichen, sie zählen, sie rechnen, und jeder hofft, den Fahrplan der Endzeit zu entziffern. Ich glaube nicht, daß die Offenbarung dazu ge­schrieben wurde. Ihr Zweck ist ein anderer: Stärkung des Glaubens in Bedrängnis.

Die Christen damals lebten in größten Herausforderungen, ihr Glaube wurde von allen Seiten attackiert, die erste Welle der Verfolgung durch den römischen Kaiser war bereits über sie hinwegrollt. Die Christen sind ein verschwindend kleines Häuflein, und der Kaiser ist der Herr der Welt. Immer dunklere Wolken brauen sich über der Gemeinde zusammen. Einige wandern ins Ge­fängnis, andere direkt aufs Schaffott; der Apostel Johannes wird auf eine kleine Mittelmeerinsel verbannt - Patmos -, sozusagen in eine Sträflingskolonie. Und dort läßt Jesus ihn - stellvertretend für alle Christen und mit dem Auftrag, es allen weiterzusagen - einen langen Blick hinter die Kulissen werfen, genauer: über die Wolken. Jesus öffnet sozusagen die Wolkendecke an einer Stelle, und was Johannes da zu sehen bekommt, soll allen hier unten Mut machen, durchzuhalten und ihr Vertrauen auf Gott nicht aufzugeben.

Der Blick über die Wolken

rückt Proportionen zurecht
stellt Machtverhältnisse klar

Die Offenbarung zeigt Gott und das Lamm auf sei­nem Thron. Sie zeigt, wie Gott alle Fäden in der Hand hält. Sie zeigt, wie er alles - auch die gegnerischen Mächte - so lenkt, daß sich seine Pläne erfüllen. Sie zeigt, wie im Himmel jetzt schon ein Loblied nach dem anderen angestimmt wird zu Gottes Ehre. Hier unten kämpfen der Drache und das Tier und der falsche Prophet gegen die Gemeinde Jesu. Hier unten sitzt die große Hure, die mächtige Stadt Babylon, auf ihrem Thron, und alle Herrscher dieser Welt lie­gen ihr zu Füßen; die Geschäftsleute reißen sich um ihre Gunst, und den Christen geht es an den Kragen. Aber blättern Sie diese schlimmen Beschreibungen mal durch: Immer wieder wer­den sie plötzlich unterbrochen, und Johannes sieht den Thron Gottes, und ein Chor steht darum herum und stimmt einen Lobgesang an. „Gott, du hast gesiegt. Gott, dir gehört alle Macht. Gott, du bist der König über alle Völker.“ Und wohlgemerkt: Diese Triumphgesänge dort oben werden angestimmt, während hier unten noch gekämpft und gestorben wird. Aber Christus hat eben bereits gesiegt; durch seinen Tod am Kreuz und durch seine Auferstehung hat er den Grundstein für den Sieg gelegt. Immer wieder wird in der Offenbarung gleichsam ein Fenster zum Himmel aufgestoßen, und Johannes darf sehen, wer wirklich König ist. Die Proportionen werden zurechtgerückt, die Machtverhältnisse klargestellt. Solange wir nur die Mächte dieser irdischen Welt kennen, sieht es wirklich düster aus: Gewalt, Unrecht, Lüge, Selbstsucht, dazu ein kurzes und oftmals armseliges Leben, dazu (im Fall der Christen) Anfeindungen und To­desdrohungen. So viele Angriffe von allen Seiten! So viele Feinde! Da könnte man wirklich den Mut zum Leben verlieren! Aus der unteren, der irdischen Perspektive sind diese Mächte unüberwindbar, sie füllen alles aus. Aber im Glauben öffnet sich uns die obere, die himmlische Perspektive: Gott ist für uns. Gott liebt uns. Wer kann uns da noch etwas anhaben? Einer ge­gen alle, und der Eine ist stärker als alle; mit dem Einen sind wir die Gewinner, mit Gott auf unserer Seite tragen wir einen überwältigenden Sieg davon.

Unsere Schlechtwetterreaktion: Glauben und Vertrauen

Im Limmattal, wo wir wohnen, beginnt jetzt wieder die Nebelzeit, die Morgennebel-, Mittagsnebel- und Abendnebelzeit. Ganz so schlimm ist es natürlich nicht. Aber es gibt doch immer wieder längere Abschnitte, wo die Sonne einfach nicht durchbrechen will. Vor ein paar Jahren haben wir den gesamten Januar über (mit Ausnahme von 2 oder 3 Nachmittagen) unter einer Nebeldecke gehaust - nicht gerade stimulierend! Man kriegt mit der Zeit so seine Zweifel, ob es die Sonne und einen strahlend blauen Himmel überhaupt noch gibt. Aber zum Glück vernahmen wir jeden Morgen aus dem Radio die beruhigende Nachricht: Über dem Hochnebel sonnig und warm! Mit unserer Stellung als Christen ist es ganz ähnlich. Hier auf der Erde sind wir umringt von Mächten, die den Ton angeben - einen gottlosen Ton -, und die sich gebärden, als ginge wirklich nichts über ihre Meinung und ihre Leistungen. Und diese Mächte sind allesamt stärker als wir. Kein Christ dürfte es mit eigenen Kräften wagen, gegen sie vorzugehen. Aber dann vernehmen wir - nicht aus dem Radio, dafür aus der Bibel - , daß es über den Mächten dieser Welt noch eine andere Macht gibt: Gott, und das ist unsere gute Nachricht. Zu diesem Gott gehören wir, und er hält sich zu uns. Unsere Schlechtwetterreaktion ist der Glaube. Im Glauben öffnen wir das Fenster zum Himmel, zu Gottes besserer Welt. Weil wir Gott vertrauen, lassen wir uns vom Bösen nicht unterkriegen, sondern überwinden das Böse. Ja, die Bibel beschreibt es manchmal geradezu so, als wären wir schon über der Wolkendecke und könnten das ganze bedrängende Geschehen von oben be­trachten. Christen sind, sagt sie, durch Gott „versetzt in das Reich, in dem sein geliebter Sohn regiert.“ (Kolosser 1, 13)