Nichts kann uns von Gottes Liebe trennen - Alles zum Besten? 4 Fragen und 4 Antworten

Beitragsseiten
Nichts kann uns von Gottes Liebe trennen
Überflüssig? Überragend!
Die entscheidende Wende
Die entscheidende Frage
Einer gegen alle - und der Eine gewinnt!
Gottes Liebe hat einen Namen
Nöte trennen nicht, Nöte verbinden
Der Blick über die Wolkendecke
Besser für Christus leiden als ohne Christus feiern
Alles zum Besten? 4 Fragen und 4 Antworten
Gebet von Paul Gerhardt
Alle Seiten

„Alles zum Besten? 4 Fragen und 4 Antworten

Paulus formuliert das in Kapitel 8, 28, also ein paar Verse vor unserem Abschnitt, so (nach Lu­ther): „Denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen“ oder (nach der NGÜ): „Alles trägt zum Besten derer bei, die Gott lieben.“ Die Nöte schaden uns nicht nur nicht - sie tragen sogar zu unserem Besten bei. Lassen Sie mich zum Abschluß noch ein paar Gedanken zu diesem wohl berühmtesten und meistzitierten Satz des Paulus sagen. Vier Fragen wollen wir stellen, um diese Aussage besser zu verstehen.

Frage Nr. 1: Was ist denn dieses „Beste“? Wenn man manche christlichen Prediger heutzutage so reden hört, könnte man meinen, das Beste, das sei ein Leben mit allem Schnickschnack hier auf dieser Erde: geldsorgenfrei, viren- und bakterienfrei, von allen angehimmelt, von allen auf Händen getragen. Da wird dir eine bildhübsche Frau versprochen, Kinder wie kleine Intelligenzbestien, ein schmucker Bungalow, ein Mercedes oder besser noch ein Ferrari: Gott will ja dein Bestes! Aber diese Dinge vergehen doch alle: Der Besitz vergeht, Schönheit vergeht, Klugheit vergeht, diese ganze Welt vergeht. Von einer Stunde auf die andere sind alle irdischen Wertanlagen und alle Sicherheiten dahin, heißt es in Offenbarung 18. Nein, Paulus denkt an etwas viel Besseres, etwas, was diese Welt überdauert. Er sagt (Verse 29b und 30): „Gott hat von Anfang an vorgesehen, daß ihr ganzes Wesen so umgestaltet wird, daß sie seinem Sohn gleich sind. Er ist das Bild, dem sie ähnlich werden sollen, denn er soll der Erstgeborene unter vielen Brüdern sein. Für dieses Ziel hat Gott sie bestimmt.“ Das ist also das Beste: Unsere Verbindung zu Gott, unsere Zugehörigkeit zu seiner Familie, unsere Charakter­ähnlichkeit mit ihm: Werden wie Jesus. Die Beziehungen dieser Welt ver­gehen, auch die Familienbeziehungen, aber die Beziehung zu Gott und zu seinen Kindern bleibt. Und alles, was Christen erleben, trägt dazu bei, daß sie Gottes Ziel erreichen: Werden wie Jesus. Alles: das Gute und Schöne, weil es uns dankbar macht, aber genauso auch das Schwere und Schmerzli­che, weil es uns demütiger und hoffnungsvoller macht.

Was ist das „Beste“?

nicht: irdische Güter bekommen,

sondern: werden wie Jesus

Frage Nr. 2: Wie ist es denn möglich, daß alles zu unserem Besten beiträgt? Es liegt daran, daß Gott hinter allem steht und für alles einen Plan hat. Paulus sagt: „Wir sind in Übereinstimmung mit seinem Plan berufen.“ Da haben wir ihn wieder, den Blick hinter die Kulissen und über die Wolkendecke. Hier auf der Erde sieht das meiste so zufällig aus, so zusammenhanglos und noch dazu so gegen Gott gerichtet. Hier regieren die Herren der Welt in ihrer Willkür. Aber über ihnen allen thront der Herr der Herren und der König der Könige. Sie sind auf der Erde, und Gott ist im Himmel, und Gott lacht über sie (Psalm 2, 4). Was er geplant hat, das führt er auch aus, und keine Feindschaft und kein Widerstand kann ihn daran hindern, ja er baut sie sogar noch in seine Pläne mit ein; im Kreuzesgeschehen wird das unüberbietbar deutlich. Gott hält die Zügel in der Hand. Er ist souverän. Er ist nicht nur ein Krisenmanager, ein Schadens­be-grenzer, ein Brandherdlöscher, ein Verbrechensbe-kämpfer. Er hechelt nicht verzweifelt den Pferden hinterher, die ihm durchgegangen sind; er sitzt auf dem Kutschbock und hält die Zügel in der Hand. Gott reagiert nicht, er agiert. Er muß sich nicht den krummen Windungen der Weltgeschichte anpassen, er macht Geschichte. Und deshalb ist es möglich, daß alles zum Be­sten derer beiträgt, die Gott lieben.

Wie kann alles zu unserem Besten beitragen?

Weil Gott einen Plan für uns hat

Weil Gott die Macht hat, seinen Plan zu verwirklichen

Frage Nr. 3: „Gott lieben“ - schaffen wir denn das? Schließlich ist das die Voraussetzung dafür, daß alles zu unserem Besten beiträgt. Nun, diese Voraussetzung ist nicht durch unsere Geburt erfüllt, sondern erst durch unsere Wiedergeburt. Das Baby liebt Gott nicht. Und der erwachsene Mensch, solange er keine Kehrtwende vollzogen hat, liebt Gott erst recht nicht. Erst wer Jesus begegnet ist und sich ihm anvertraut hat, liebt Gott. Das ist die Voraussetzung dafür, daß Gott unser Leben in seine Hand nimmt und wirklich das Beste daraus macht. Aber Achtung: Wir dürfen die Bedingung nicht schwerer machen, als sie gemeint ist. Bei jedem Christen kommt mal eine Phase, wo er ins Grübeln gerät: Liebe ich Gott wirklich? Liebe ich ihn so selbstlos, wie es sein sollte? Wäre ich bereit, für ihn in den Tod zu gehen? Ich glaube, je mehr wir uns prüfen, desto mehr Macken und Defizite stellen wir gerade an unserer Liebe zu Gott fest. Kein Wunder - die Liebe steht ja im Mittelpunkt des Bildes, in das wir erst nach und nach umgestaltet werden. Erst wenn wir am Ziel sind, wird unsere Liebe zu Gott so sein wie seine Liebe zu uns. „Die Gott lieben“ - ich meine, das heißt nichts anderes als: die in ihrem Herzen und mit ihrem Leben auf Gott ausgerichtet sind, bei allen Schwächen, bei allen Fehlern. Ihm gehört ihr Leben.

Gott lieben - wie schafft man das?

Liebe zu Gott entsteht durch Umkehr zu Gott

Liebe zu Gott wächst durch Hingabe an Gott

Frage Nr. 4: Paulus sagt: Wir wissen, daß alles zum Besten derer beiträgt, die Gott lieben. Woher wissen wir das denn? Wissen wir es aus unserer Erfahrung? Manchmal ja, aber wirklich nur manchmal. Manchmal sehen wir es im Rückblick. Als Josef in Ägypten zum Stellvertreter des Pharaos aufgestiegen war und zum Lebensretter seiner Familie wurde, da war ihm klar, daß all die Ir­rungen und Wirrungen seines Lebens ihm und anderen zum Besten gedient hatten. Aber war ihm das auch schon klar, als er noch mitten im Elend steckte? In der Zisterne, in die seine nei­dischen Brüder ihn geworfen hatten? Im Sklavendress bei dem Staatsbeamten Potifar? In den Klauen von dessen durchgeknallter Gattin, die sich in ihn verknallt hatte? Im Hochsicher­heitstrakt des königlichen Gefängnisses unter lauter Kriminellen? Wußte Josef es da schon, daß das alles zu seinem Besten beitrug? Er konnte es hoffen, er konnte Gott vertrauen, aber bewei­sen konnte er es nicht. Beweisen können es wir fast nie. Immer wieder fragen wir uns: Wäre es nicht auch ohne diese Umwege gegangen? Warum die zermürbende Krankeit? Warum der schreckliche Unfall? Warum die lange vergebliche Suche nach Arbeit? Warum der grauenvolle Krieg, der alle Hoffnungen zerstörte? Wir haben keine Antworten darauf. Wir können nichts Positives darin finden, manchmal bis zu unserem Sterben nicht. Wir können nicht nachweisen, daß das alles keine Fehlwege sind, sondern daß diese Wege geradlinig verlaufen und zielstrebig unser Bestes fördern. Gott läßt in unserem Leben Dinge zu, die wir nicht wollen, die uns weh tun, die uns bedrängen und an denen wir zerbrechen. Und doch halten wir daran fest, daß alles zu unserem Besten beiträgt. Wir machen es wie Mose; von ihm heißt es in Hebräer 11, 27: „Er ging entschlossen seinen Weg, weil er auf den sah, der unsichtbar ist.“

Woher wissen wir, dass alles zu unserem Besten beiträgt?

nicht weil wir es erleben, sondern weil wir Gott vertrauen.

Woher wissen wir also, daß alles zu unserem Besten beiträgt? Wir wissen es, weil wir Gott vertrauen. Wir vertrauen dem, der auf dem Thron im Himmel regiert und alle Macht im Him­mel und auf der Erde in Händen hält. Wir vertrauen dem, der seinen Sohn nicht verschont hat. Wir vertrauen dem, der uns liebt und uns unsere Schuld vergeben hat. Er hat den Anfang ge­macht; er wird uns auch ans Ziel führen.

Noch ein letztes Beispiel als Abschluß: Apostelgeschichte 16. Paulus und Silas werden ins Gefängnis gewor­fen - wegen Jesus. Wie sinnlos: Da sind sie extra nach Philippi gereist, von Gott in einem Traum dorthin beordert, verkünden zum ersten­mal auf europäischem Boden das Evangelium, die ersten Erfolge stellen sich ein, die Geschäfts­frau Lydia wird Christin - und plötzlich ist der schöne Aufwärtstrend gestoppt: Paulus und Silas werden als Unruhestifter verklagt, man peitscht sie aus, steckt sie ins hinterste Ker­kerloch und schließt ihre Füße im Holzblock ein. Fangen die beiden jetzt an zu jammern? Sie hätten allen Grund dazu gehabt - Frust und Schmerzen, wohin man blickt. Nein, Paulus und Silas singen. Sie loben Gott lauthals, mitten in der Nacht. Wer weiß, vielleicht singen sie Rö­mer 8, 31-39? Sie loben Gott nicht, weil sie dem Gefangensein etwas Gutes abgewinnen kön­nen. Sie loben ihn, weil er auch im Gefängnis bei ihnen ist und weil sie ihm vertrauen - für ihr eigenes Leben, für ihre Mitchristen, für diese Stadt. Und das Triumphlied, das sie anstimmen, ändert ihre Lage. Es löst ein Erdbeben aus, es befreit alle Gefangenen, es rüttelt den Gefäng­niswärter durcheinander und rückt ihm Kopf und Herz zurecht. Wir können Gott auch loben und preisen, z. B. mit Römer 8,31-39, vielleicht unter Tränen und Schmerzen. Und vielleicht erleben wir dann auch eine Befreiung, vielleicht platzen dann auch bei uns Ketten auf und stür­zen Gefängnismauern ein, und wir begreifen neu: Gott ist für uns; wer kann uns da noch etwas anhaben? Was kann uns von Christus und seiner Liebe trennen?