Wie groß ist ein Drache?

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Wie groß ist ein Drache?
Mega: Offenbarung Kapitel 12, Vers 3
Ein Mega-Drache
Umweg statt Kurzschluss
Symbol und Wirklichkeit
Die Bedeutung des Kontextes für die Bedeutung
Gegensatzpaare
größer und kleiner
Was groß ist, kann auch klein sein
Absolute Gegensätze
Fragen, die alles offen lassen
Eine vielfach unterteilte Skala
Auf der Zielgeraden
Die Größe des Drachen
Einführung ausführlich - Wiederholung kurz und knapp
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Die vielen Bedeutungen eines Wortes und die Schwierigkeit, es angemessen zu übersetzen
A. Symank, 1998

Das Sprach-Geschenk

Ich weiß nicht, was Sie sich gedacht haben, als Sie das Thema dieses Vortrags lasen: „Wie groß ist ein Drache?“ Haben Sie ein Referat über Schöpfung und Evolution erwartet oder einen Vergleich verschiedener antiker Religionen? Nun, um Ihnen auf die Sprünge zu helfen, habe ich einen Untertitel hinzugefügt: „Die vielen Bedeutungen eines Wortes und die Schwierigkeit, es richtig zu übersetzen.“ (Man könnte den Untertitel etwas exakter, aber auch etwas anspruchsvoller auch so formulieren: Lexikalische und kontextuale Bedeutung eines Wortes). Der Vortrag handelt von Sprache und Übersetzung, genauer gesagt: von Bibelübersetzung. Ich bin kein Biologe oder Zoologe. Im übrigen hat bestimmt noch nie ein Zoologe einen Drachen vermessen, einfach weil er noch nie einem begegnet ist - höchstens in Sagen und Legenden. Ich bin aber auch kein Mythologe oder Märchenforscher; ich bin Theologe und seit vielen Jahren im Bereich der Bibel-übersetzung tätig. Im Auftrag der Genfer Bibelgesellschaft übersetze ich zusammen mit einem kleinen Team zunächst einmal das NT aus dem Griechischen ins Deutsche. Unser Projekt nennt sich Neue Genfer Übersetzung, und einzelne neutestamentliche Bücher haben wir bereits veröffentlicht. Ich weiß, dass viele von Ihnen unsere Arbeit mit großem Interesse verfolgen und unterstützen, und früher habe ich hier ja auch hin und wieder einmal eine Predigt gehalten; aber so weit ich mich erinnere, habe ich hier noch nie in einem Vortrag über unsere Übersetzungstätigkeit berichtet. Deshalb dachte ich, es wäre endlich einmal an der Zeit, Ihnen einen Einblick zu geben.

Allerdings möchte ich kein Grundlagenreferat halten über Übersetzungsprinzipien, über die verschiedenen Bibelübersetzungen und über unser Übersetzungsmodell. Vielmehr möchte ich Ihnen einen kleinen Einblick in unsere Arbeit geben, möchte einen winzigen Ausschnitt mit Ihnen anschauen. Einerseits soll es eine Art Rechenschaftsbericht sein: Warum haben wir gerade so übersetzt und nicht anders? Andererseits ist damit der Versuch verbunden, Sie zum Nachdenken über die Sprache und das Sprechen anzuregen und - hoffentlich - auch ein wenig ins Staunen zu bringen über dieses tolle Instrument, das wir alle ständig gebrauchen und über das wir uns doch kaum je Gedanken machen. Die Sprache und die Sprachfähigkeit ist eines der größten Geschenke, die Gott, der Schöpfer, uns Menschen mit auf den Weg gegeben hat.

Als ich das Thema für diesen Vortrag festlegte, griff ich bewusst auf ein neutestamentliches Buch zurück, das wir bereits übersetzt und veröffentlicht haben - die Offenbarung des Johannes. Es geht um einen Abschnitt daraus, genauer gesagt, um nicht mehr als eine Wendung, streng genommen um ein einziges Wort: mega.