Wie groß ist ein Drache? - Auf der Zielgeraden

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Wie groß ist ein Drache?
Mega: Offenbarung Kapitel 12, Vers 3
Ein Mega-Drache
Umweg statt Kurzschluss
Symbol und Wirklichkeit
Die Bedeutung des Kontextes für die Bedeutung
Gegensatzpaare
größer und kleiner
Was groß ist, kann auch klein sein
Absolute Gegensätze
Fragen, die alles offen lassen
Eine vielfach unterteilte Skala
Auf der Zielgeraden
Die Größe des Drachen
Einführung ausführlich - Wiederholung kurz und knapp
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Auf der Zielgeraden

Erinnern Sie sich noch an unseren Wanderer, der die Felswand entlanggeht, statt sich direkt zur Dorfkirche abzuseilen? Vielleicht haben Sie inzwischen das Gefühl, wir hätten uns längst hoffnungslos verlaufen und wären meilenweit vom Ziel entfernt. Aber ob Sie's glauben oder nicht - wir sind schon vor einiger Zeit umgekehrt und marschieren wieder Richtung Dorf. Deshalb will ich seit langer Zeit endlich wieder eine Frage stellen, die unmittelbar mit dem Drachen aus Offbg. 12 zu tun hat: Welchen Teil des Gesamtspektrums deckt das griechische Wort μεγας ab? Um das zu wissen, müsste man sämtliche Begriffe und Ausdrücke des Griechischen zu diesem Wortfeld zusammenstellen; erst dann ergibt sich eine zutreffende Vorstellung vom quantitativen und qualitativen Wert des Einzelbegriffs. Möglicherweise deckt das griechische μεγας mehr ab als das deutsche groß. Oder zumindest - so viel ist sicher - werden die beiden Wörter nicht deckungsgleich verwendet. Im griechischen NT heißt es: Er spricht mit großer Stimme; in natürliches, idiomatisch korrektes Deutsch übersetzt muss es heißen: Er spricht mit lauter Stimme.

Und vor allem müsste man nicht nur das Griechische als solches untersuchen (genauer: die Koine, die damalige Umgangssprache, in der auch das NT abgefasst ist), sondern speziell das Vokabular des Johannes in der Offenbarung. Vielleicht gebraucht er nur eine 2-Teilung (groß-klein)? Das würde es umso mehr rechtfertigen, seinen Sprachgebrauch bei der Übersetzung den Erwartungen und den Möglichkeiten des Deutschen anzupassen und ein verfeinertes Vokabular zu verwenden.

Halten wir uns, ehe wir endgültig zu Offbg. 12 zurückkehren, nochmals die grundsätzliche Einsicht vor Augen, um die es im Grunde die ganze Zeit gegangen ist: Die Bedeutung eines Wortes rekrutiert sich nicht aus dem einzelnen, isolierten Wort, sondern immer nur in einem Wortverband. Der Kontext bestimmt über die Bedeutung der Einzelwörter. Das gilt sogar bei scheinbar referentiell eindeutigen Ausdrücken wie z. B. Zürich. Isoliert betrachtet, wären wir uns allesamt einig: Zürich ist jene große Stadt an der Limmat, oder allenfalls: Damit sind die Bewohner der Stadt gemeint. Aber nun stellen wir den Einzelbegriff in den Zusammenhang einer Aussage: Zürich hat verloren. Wer ist jetzt gemeint? Der FC Zürich gegen den FC Basel (bei einem Fußballspiel)? Der Stadtrat (bei einer politischen Auseinandersetzung)? Die Reformierte Kirche des Kantons Zürich (beim Tauziehen um die Meinungsführerschaft mit den Berner Reformierten)? Wie auch immer - mit ziemlicher Sicherheit ist eben nicht das gesamte Zürich gemeint, wie das Einzelwort zunächst nahelegt. Wie gesagt: Der Kontext bestimmt über die Bedeutung des Wortes. Bei einem Relationsbegriff wie groß ist das besonders offensichtlich, das haben wir uns in aller Ausführlichkeit angesehen. groß gibt keine absolute Größe an, sondern impliziert immer einen Vergleich.