Wie groß ist ein Drache? - Die Größe des Drachen

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Wie groß ist ein Drache?
Mega: Offenbarung Kapitel 12, Vers 3
Ein Mega-Drache
Umweg statt Kurzschluss
Symbol und Wirklichkeit
Die Bedeutung des Kontextes für die Bedeutung
Gegensatzpaare
größer und kleiner
Was groß ist, kann auch klein sein
Absolute Gegensätze
Fragen, die alles offen lassen
Eine vielfach unterteilte Skala
Auf der Zielgeraden
Die Größe des Drachen
Einführung ausführlich - Wiederholung kurz und knapp
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Die Größe des Drachen


Welche Vergleichsgrößen haben wir denn nun im Umfeld von μεγας in Offbg. 12,3? (Sie merken, wir sind endlich am Ziel angelangt, wir stehen unmittelbar vor der Dorfkirche!)

(a) Zunächst: μεγας wird von einem Drachen gesagt. Seine Größe wird betont. Nun würden wir uns aber einen Drachen sowieso als etwas Großes vorstellen. Ein kleiner Drache - das wäre eine überraschende Kennzeichnung. Aber „ein großer Drache“ - das ist im Grunde fast so etwas wie ein „weißer Schimmel“. Die Wendung enthält ein überflüssiges Element, sie ist redundant. Es sei denn, dass damit eine über die Erwartung bzw. über die Vorstellungswelt hinausgehende Größe bezeichnet wird, sozusagen eine Übergröße: XXL. Deshalb darf angenommen werden, dass μεγας hier nicht gegen die Mitte des Spektrums hin angesiedelt ist, sondern am oberen Rand. Und deshalb dürfte eine Wiedergabe wie riesig der Intention des Griechischen entsprechen.

(b) Und es dürfte dem entsprechen, was Johannes gesehen hat. Man denke an den weiteren Kontext: Eine Frau, mit der Sonne bekleidet, den Mond unter ihren Füßen - also eine ungeheuer große Gestalt, eine Gestalt von kosmischen Ausmaßen. Vor ihr sieht Johannes einen Drachen stehen, offensichtlich in entsprechender Größe, einen Drachen, der sie bedroht und nur darauf wartet, über sie und ihr Kind herzufallen. Deshalb passt ein bloßes groß nicht recht, und aus demselben Grund passt riesig sehr gut.

(c) Außerdem ist die Einleitung der Vision zu beachten: Johannes kündigt etwas „Außergewöhnliches und Bedeutungsvolles“ an. Erwartet man dann nicht zu Recht etwas, was unsere gewöhnlichen Vorstellungen und Maße sprengt?

Aus all diesen Gründen wäre die Wiedergabe von μεγας mit groß antiklimaktisch,  abschwächend statt steigernd; sie wäre geradezu kontradiktorisch, im Widerspruch zur übrigen Darstellung.

Fazit: Mit riesig verfälschen wir nichts. riesig passt besser, beschreibt die Vision zutreffender. Und wir brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben - als hätten wir etwas nach unseren Vorstellungen umgebogen, als hätten wir das Wörterbuch nicht ernstgenommen, als würden wir willkürlich etwas in den Text hineinlesen, was gar nicht drinsteht. Es stimmt, wir interpretieren (das tun wir bei allem Übersetzen), aber nicht willkürlich, sondern nach gut begründeten linguistischen und exegetischen Gesichtspunkten.

Sehen Sie: Jede Übersetzung interpretiert. Viele Christen denken: Die guten, genauen Bibelübersetzungen lassen alles Interpretieren aus dem Spiel, die weniger guten interpretieren. Das ist leider eine Illusion. Keine einzige Übersetzung kommt ohne Interpretationen aus, und zwar Interpretationen auf Schritt und Tritt - auch nicht die Elberfelder, nicht einmal die Konkordante, die so übergenau ist, dass man streckenweise kaum noch etwas versteht. Der Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Übersetung ist der zwischen einer guter und einer schlechten Interpretation, zwischen eigenen Meinungen, die willkürlich in den Text hineingelesen werden, und solchen, die auf sorgfältiger exegetischer und linguistischer Arbeit beruhen. Nochmals: Übersetzung ist immer mit Auslegung verbunden. Die Alternativen heißen nicht: Auslegung oder keine Auslegung, sondern gute Auslegung oder schlechte Auslegung.