Wie groß ist ein Drache? - Ein Mega-Drache

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Wie groß ist ein Drache?
Mega: Offenbarung Kapitel 12, Vers 3
Ein Mega-Drache
Umweg statt Kurzschluss
Symbol und Wirklichkeit
Die Bedeutung des Kontextes für die Bedeutung
Gegensatzpaare
größer und kleiner
Was groß ist, kann auch klein sein
Absolute Gegensätze
Fragen, die alles offen lassen
Eine vielfach unterteilte Skala
Auf der Zielgeraden
Die Größe des Drachen
Einführung ausführlich - Wiederholung kurz und knapp
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Ein Mega-Drache

In Vers 3 finden wir unser mega: δρακων μεγας = ein riesiger Drache. (Das -ς ist eine geschlechtsspezifische Endung und muss Sie nicht weiter stören. μεγας - μεγαλη - μεγα: großer Mann, große Frau, großes Kind). δρακων bedeutet natürlich „Drache“; das deutsche Wort geht auf das griechische zurück. (Sie sehen: Griechisch ist gar nicht so schwer!)

Übrigens taucht der δρακων μεγας in Vers 9 gleich noch einmal auf. Zweimal kommt dieser Ausdruck also in unserem Abschnitt vor. Und zwei Fragen verbinden sich damit:

1. Wieso weichen wir in Vers 3 von der lexikalischen Angabe groß ab und geben das Adjektiv mit riesig wieder? Ist diese Abweichung linguistisch gerechtfertigt? Scheinbar haben wir hier eine Anleihe bei der Jugendsprache gemacht: ein Megadrache. Scheinbar greifen wir zu einer Übertreibung. Nun, ich kann Sie beruhigen: Von dramatisierenden Effekten haben wir in der Offenbarung möglichst sparsamen Gebrauch gemacht. Johannes selbst, der Autor, übt in dieser Hinsicht, so scheint mir, große Zurückhaltung, und ich empfinde das (verglichen mit anderen zeitgenössischen Apokalypsen - z. B. dem äthiopischen Buch Henoch, der Himmelfahrt des Mose, dem Vierten Esrabuch, dem Testament der Zwölf Patriarchen, alle in der Zeit von ca. 200 v. Chr. bis 100 n. Chr. entstanden) als wohltuend. Aber gerade deshalb scheint die Frage um so mehr berechtigt: Haben wir hier nicht doch für einmal übertrieben?

2. Wieso greifen wir in Vers 9 auf die “normale“ Wíedergabe zurück (der große Drache)? Wieso sind wir so inkonsequent und geben den Begriff - wenn wir schon von der üblichen Formulierung abweichen - nicht an beiden Stellen gleich wieder? (Dieser zweite Punkt wird schnell beantwortet sein.)

Sie sehen, es geht nicht um eine tiefgründige theologische Frage, bewusst nicht. Ich wollte für einmal jede gewichtige theologische Diskussionen ausklammern und mich ganz auf den sprachlichen Aspekt konzentrieren. (Darum werden Sie heute abend von mir auch keine Auskunft bekommen über die Identität der Frauengestalt und über die zeitliche Einordnung des Geschehens, das Johannes sieht. Wer der Drache ist, sagt er uns ja in Vers 9 selbst: der Satan; und das Kind ist Jesus Christus, wie Vers 5 deutlich macht. Aber alles andere bleibt offen, was zu den verschiedensten Deutungen geführt hat. Wie gesagt - mein Vortrag wird Ihnen dazu keine Lösung offerieren).