Der Abenteurer Paulus - Schön und traurig zugleich

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Schön und traurig zugleich

In Apostelgeschichte 26 befinden wir uns in einem Audienzsaal, dem Prunkstück des Palastes in Cäsarea, den einst Herodes erbauen ließ und den später der römische Gouverneur zu seinem Amtssitz umfunktionierte. König Agrippa und seine Schwester Berenike sind in allem königlichen Prunk und Pomp erschienen, Gouverneur Felix ist da, ebenso die ranghöchsten römischen Offiziere und überhaupt alles, was Rang und Namen hat, die gesamte Prominenz der Stadt, alle Stars und alle Sternchen.

Und dann wird der Gefangene Paulus aus seiner Zelle geholt und in Fesseln vor die erlauchte Zuhörerschaft gestellt und aufgefordert, sich zu den Anklagen seiner jüdischen Gegner zu äußern.

Der größte Teil des Kapitels besteht aus einer langen Verteidigungsrede des Apostels. Er schildert seiner früheres Leben ohne Christus, seine spektakuläre Umkehr zu Christus und seine Sendung durch Christus.

Und jetzt möchte ich Ihnen zunächst den schönsten und dann den traurigsten Vers des Kapitels vorlesen. Zuerst der schönste Vers, Vers 28. Er stammt nicht von Paulus, sondern von König Agrippa. Nachdem Paulus gesprochen hat, ist der König offensichtlich so aufgewühlt, so gepackt, so in seinem Innersten getroffen, daß er ausruft: „Paulus, du redest so überzeugend, daß du demnächst noch einen Christen aus mir machst!“

Wissen Sie, warum ich diesen Vers so toll finde? Er zeigt: Das Evangelium ist eine Botschaft, die alle angeht und von allen verstanden wird. Es ist eine Botschaft für alle - für sämtliche Klassen der Gesellschaft und alle sozialen Schichten, für hoch und niedrig, reich und arm, mächtig und ohnmächtig, jung und alt, groß und klein. Ich weiß schon, daß sich das Evangelium zunächst vor allem in den unteren Bevölkerungsschichten des Römischen Reiches ausgebreitet hat, besonders unter den Sklaven, also unter Leuten, auf die die Elite verächtlich heruntersah. Und doch zeigt uns gerade Lukas in der Apostelgeschichte, daß immer wieder auch einflußreiche Männer und Frauen erreicht wurden und sich überzeugen ließen: ein könglicher Finanzminister (aus Äthiopien), ein hoher Offizier (Kornelius), ein einflußreicher Politiker (Sergius Paulus von Zypern), eine Geschäftsfrau (Lydia) usw. usw. Und hier haben wir den Höhepunkt: Sogar ein König findet das Evangelium überzeugend!

Und jetzt der traurigste Vers des Kapitels. Sie haben es bestimmt schon geahnt - es ist derselbe Vers: „Paulus, du redest so überzeugend, daß du demnächst noch einen Christen aus mir machst!“ „Demnächst“, sagt König Agrippa, und dann erhebt er sich und verläßt den Saal. Wie traurig! Wie schade! Was hat ihn wohl davon abgehalten, den letzten, den entscheidenden Schritt zu tun? Hielt er es für unter seiner Würde, sich mit den Sklaven und den Gefangenen auf eine Stufe zu stellen? Schämte er sich vor der Prominenz, die mit atemloser Spannung auf seine Reaktion wartete? Dachte er an seine Frauengeschichten (für die er unrühmlich berühmt war!) und wollte nicht verzichten? (Diese Berenike, die neben ihm saß, war zwar seine leibliche Schwester, aber ihr Verhältnis zueinander war das von Mann und Frau.) Oder dachte er an seine korrupten Machenschaften, die ihm Geld und Macht einbrachten, und wollte sie nicht drangeben?

Ob nun das eine oder das andere oder alles zusammen - was für eine bedauerliche, was für eine armselige Reaktion! „Demnächst“, sagt er, „es fehlt nicht viel“ - und damit ist für ihn die Sache abgeschlossen. Christus hatte ihn angesprochen, und wenn man alle Schönfärberei beiseite läßt, lautet die Antwort des Königs: Nein.

Erinnern Sie sich noch, wie es bei Paulus gewesen war? Auch ihn hatte Christus angesprochen, auch er fand das, was er hörte, überzeugend. Eben noch hatte er es König Agrippa geschildert. Und er hatte gesagt: „Ich gehorchte, ohne zu zögern“ (26,19). Sehen Sie den Unterschied? Beide hörten, beide fanden das Gehörte überzeugend. Agrippa erhob sich - und damit war Schluß. Paulus erhob sich - und es ging los! Wenn Gott durch sein Wort überzeugend zu uns redet - wie reagieren wir dann? Wie König Agrippa oder wie Paulus?