„Der Himmel - wie kommt man dorthin?“ - Der Weg: kein ... sondern eine Person

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„Der Himmel - wie kommt man dorthin?“
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Der Weg: kein Lehrsatz ...

Zum dritten: Was muss man denn nun tun, wenn man diesen Weg ge­hen will? Es ist eigentlich ganz simpel: Man muss sich an Jesus halten. Jesus ist der Weg. Und wer diesen Weg gehen möchte, muss sich an Jesus klammern. Die Bibel nennt das glauben. Selten wird so klar wie an diesem Wort Jesu, was glauben heißt. Glau­ben bedeutet mehr als: Glaubensaussagen für wahr halten. Glau­ben bedeutet mehr als: Glaubensregeln einhalten. Glauben bedeu­tet mehr als: sich einer Glaubensgemeinschaft an­schließen. Glauben bedeutet: sich mit Haut und Haar Jesus an­vertrauen. Glauben heißt, eine persönliche Beziehung zu Jesus haben.

Nochmal und jetzt etwas ausführlicher: Glauben bedeutet mehr als Glaubensaussagen für wahr halten. Hier stoßen wir auf eines der grundlegenden Missverständnisse im Blick auf das Christsein. Sicher, es gibt einen harten Kern von Glaubensinhalten, eine eiserne Ration sozusagen; wer davon nichts wissen will, sollte auch so ehrlich sein und auf die Bezeichnung Christ verzichten. Aber nicht das Festhalten an einem Glaubensbekenntnis macht zum Christen, sondern das Festhalten an Christus selbst. Zahllose Kirchgänger sprechen Sonntag für Sonntag das Credo mit, aber wenn man sie fragt, ob ihre Schuld vergeben ist und ob Gott sie einmal in sein Haus aufnehmen wird, sind sie verwirrt und zuc­ken unsicher mit den Schultern. Sicher brauchen wir Informatio­nen über Gott. Aber das genügt nicht. Infos überbrücken den Ab­grund nicht. Infos bringen uns nicht in den Himmel. Es nützt daher auch nichts, Informationen wie Vorräte zu sammeln. Zur Zeit Jesu gab es eine blühende jüdische Literatur, die sog. Apokalyptik. Da unternimmt irgendein heiliger Mensch eine Him­melsreise, und ein Engel gibt ihm Aufschluss über das Jenseits und die Zukunft. Die Leser erfahren die tollsten Dinge über den Himmel - aber sie kommen ihm keinen Schritt näher. In der Zeit der frühen Chri­stenheit gab es die Bewegung der Gnosis. Gnosis bedeutet Er­kenntnis; man wollte mit Hilfe von tiefsinnigen Er­kenntnissen dem Himmel näher kommen als Peter und Paul, die christlichen Durchschnittsbürger. Aber Erkenntnis als solche trägt uns nicht in die Höhe; Erkenntnis lässt uns nur die Nase höher tragen. Beides - Apokalyptik und Gnosis - gibt es in im­mer neuen Gewändern bis heute, gerade auch in christlichen Kreisen, die es besonders ernst meinen. Und doch ist beides ein Trugschluss - als sei man dem Himmel nä­her, bloß weil man mehr über ihn weiß. Es ist ein bisschen so, als würde man einem Ver­durstenden in der Wüste Wasser anprei­sen, und wenn er's nicht begreift, malt man das Wasser in immer bunteren Farben und lie­fert immer mehr Informationen darüber - chemische Formeln und physikalische Gesetze -, aber der arme Kerl stirbt uns unter den Händen; unser Wissen hat ihn nicht satt gemacht. Also: Beides ist und bleibt eine Sackgasse. Wir sind dem Him­mel nur so nah, wie wir Jesus nah sind. Für die unter uns, die sich gerade mit Dogmengeschichte befassen: Fides qua creditur, nicht nur Fides quae creditur.

... keine Vorschrift

Und ebenso auch: Glauben bedeutet mehr als Glaubensregeln ein­halten. Hier haben wir noch so ein Missverständnis. Glauben heißt nicht einen Gesetzeskatalog aufstellen und den so gut wie eben möglich befolgen. Sicher, Regeln sind nötig, auch für den Christen (sonst wird aus unserer Gottes- und Nächstenliebe klammheimlich wieder unsere Eigenliebe). Aber Gesetze können niemals die persönliche Verbindung mit Jesus ersetzen. Gebote sind vielleicht Anleitungen zum Brückenbau, aber das Material wird nicht mitgeliefert; der Abgrund bleibt. Zur Zeit Jesu ver­suchten es die Pharisäer auf diesem Weg. Sie hatten einen rich­tigen Gesetzessammeltick; es war für sie geradezu ein Hobby, Gesetze aufzustellen. Und auch das trifft man bis heute in christlichen Kreisen an, denen es mit der Nachfolge ganz ernst ist - todernst. Wehe, wenn man sich einmal auf diesen Weg ein­gelassen hat! Erstens schwillt einem der Kamm, wenn es gelingt, ein Gebot einzuhalten. Zweitens lässt man die Flügel hängen, wenn man wieder mal gescheitert ist. Drittens werden es immer mehr Regeln, weil man für jedes übertretene Gebot drei neue aufstellt, um das Versagen zu kompensieren. Das Gesetz ist kein Weg zum Leben - einfach deshalb, weil wir es niemals voll­ständig einhalten und weil das Gesetz auf Sünde nur mit Strafe reagieren kann, nicht mit Vergebung.

... keine Organisation

Und ebenso schließlich auch: Glauben bedeutet mehr als sich ei­ner Glaubensgemeinschaft anschließen. Der Weg zum Himmel ist eine Person, keine Organisation. Eine Organisation kann Schein­christen produzieren - Taufscheinchristen, Konfirmationsschein­christen, Trauscheinchristen; aber nur eine Person kann neues Leben in uns hervorbringen. Natürlich gehört es zum Christsein, dass man den Kontakt mit anderen Christen sucht. Wer nicht ir­gendwo verbindlich in einer örtlichen Gemeinde mitmacht, weiß gar nicht, was er verpasst, und wird anfällig für alles Mögli­che. Aber die Kirche ersetzt nicht das persönliche Vertrauen auf Jesus; Gott akzeptiert keinen noch so frommen Menschen als meinen Glaubens-Stellverteter. Wie ich zu Jesus stehe, ist eine Sache zwischen Jesus und mir, nicht zwi­schen Jesus und meinem Pfarrer. Der Weg zum Himmel führt nicht über einen Kirchenbei­tritt, sondern über Jesus. Auch die Zuge­hörigkeit zur bibel­treusten Gemeinde oder das Studium an der bibeltreusten Ausbil­dungsstätte kann das nicht ersetzen (der Rektor wird mir diese Bemerkung sicher nicht übel nehmen). Es gibt ja so etwas wie eine Geborgenheit in der Gruppe; man fühlt sich in der Gemein­schaft geschützt. Aber diese Sicherheit kann trügen; Kirchen­mauern sind nicht dick genug, um mich vor Gottes Zorn zu bewah­ren, wenn ich zwar vom Himmel rede, aber meine Ta­ten zum Himmel schreien.

... sondern eine Person

Also nochmal und jetzt positiv: Der Weg zum Himmel führt nicht über Sachwerte - Lehrsätze, Gebote, kirchliche Strukturen -, sondern über Jesus Christus. Der Gegenstand unseres Glaubens ist kein Gegenstand, sondern eine Person. Glauben ist eine per­sönliche, verbindliche Gemeinschaft zwischen Mensch und Gott. Der erste Schritt ist der, dass ich im Gebet mit Jesus rede und bei ihm den ganzen Pfusch meines bisherigen Lebens ablade (das Bekennen unserer Schuld ist der einzige Beitrag, den wir zu un­serer Errettung leisten können). Der zweite Schritt ist, dass ich all den Götzen, die mich in ihrem Griff hatten, den Rücken kehre, und mich entschieden und ausschließlich Jesus unter­stelle, der allein die Macht hat, mich von den Götzen zu be­freien, und der allein das Recht hat, mein Herr zu sein. Und der dritte Schritt ist - dass ich bei Jesus bleibe! Alles wei­tere wird sich finden. Er wird mich - durch das Lesen der Bi­bel, durchs Gebet, durch den Austausch mit anderen Christen - Schritt um Schritt weiterführen.

Ich finde dieses personale Konzept, das Jesus seinen Jüngern hier mit einem einzigen Satz vorstellt, großartig. Der Weg zu Gott ist keine Formel, kein fertiges Rezept, sondern eine per­sönliche Beziehung, Vertrauenssache. Zwischen Jesus und uns entsteht ein Vater-Kind-Verhältnis. Wer einmal zu Jesus Ver­trauen gefasst hat, will nicht mehr weg von ihm. Wenn wir von einem Menschen begeistert sind und uns an ihn hängen, folgt ir­gendwann die Ernüchterung; man sieht hinter die Kulissen und stellt fest, dass der auch nur kleine Brötchen backt. Bei Jesus ist es anders: Da tauchen keine Schattenseiten auf; man ent­deckt immer nur neue Schokoladenseiten. Je länger, je lieber.