Über den eigenen Schatten springen

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Ein kleiner Schritt für Petrus

Apostelgeschichte 10, 1-48

Eine Schlüsselstelle

Wissen Sie, welches Ereignis in der Apostelgeschichte am ausführlichsten berichtet wird? Es ist die Umkehr des römischen Hauptmanns Kornelius zu Jesus Christus; Kapitel 10. Lukas hält diese Begebenheit offensichtlich für so bedeutsam, daß er sie im nächsten Kapitel gleich noch einmal erzählen läßt - durch Petrus vor der Muttergemeinde in Jerusalem. Und in Kapitel 15, auf dem Apostelkonzil, trägt Petrus sie in geraffter Form nochmals vor - als Präzedenzfall für den Umgang von Judenchristen mit Heidenchristen. Diese Bekehrungsgeschichte fängt ja damit an, daß sowohl Kornelius als auch Petrus eine Vision haben, in der ein Engel bzw. eine Stimme vom Himmel zu ihnen spricht. Lukas erzählt die Geschichte so raffiniert, daß beide Visionen zweimal berichtet werden: Kornelius schildert sein Erlebnis vor Petrus, und Petrus schildert sein Erlebnis vor der Jerusalemer Gemeinde. Lukas wiederholt sich immer und immer wieder, bis auch der letzte begreift: Hier haben wir eine Schlüsselstelle bei der Ausbreitung des Evangeliums; was hier geschah, war bahnbrechend für die noch junge christliche Gemeinde.
So, ehe wir uns mehr Gedanken zu diesem Bericht machen, wollen wir ihn uns einmal anhören. Ich habe Apostelgeschichte 10 ihm Rahmen meiner Arbeit an der NGÜ erst vor ein paar Wochen übersetzt und erlaube mir, das Kapitel in dieser Version vorzulesen; es handelt sich natürlich nur um einen Übersetzungsentwurf, noch nicht um die endgültige Fassung. Das Kapitel ist total spannend; aber damit es noch spannender wird, habe ich ein paar junge Leute gebeten, beim Vorlesen mitzuhelfen. [Ganz links der Engel bzw. die Stimme aus dem Himmel; dann Kornelius; dann einer seiner Boten; und schließlich der Hauptakteur, Petrus. Ich übernehme den Erzähler.]

Die Vision des römischen Hauptmanns Kornelius in Cäsarea
1 In Cäsarea lebte ein römischer Offizier namens Kornelius, ein Hauptmann, der zum sogenannten „Italischen Regiment“ gehörte. 2 Kornelius war ein frommer Mann, der mit seiner ganzen Familie und allen anderen Mitgliedern seines Haushalts an den Gott Israels glaubte; er gab großzügige Spenden für die Bedürftigen in der jüdischen Bevölkerung und betete treu und regelmäßig.

3 Eines Tages - gegen drei Uhr nachmittags - hatte Kornelius eine Vision: In aller Deutlichkeit sah er, wie ein Engel Gottes zu ihm ins Zimmer trat. „Kornelius!“ hörte er ihn sagen. 4 Erschrocken starrte Kornelius den Engel an. „Was ist, Herr?“ fragte er. Der Engel erwiderte: „Gott hat deine Gebete gehört und hat gesehen, wieviel Gutes du den Armen tust. 5 Darum schicke jetzt einige Männer nach Joppe zu einem gewissen Simon mit dem Beinamen Petrus und bitte ihn, zu dir zu kommen. 6 Er ist bei einem Gerber zu Gast, der ebenfalls Simon heißt und dessen Haus direkt am Meer liegt.“ 7 Als der Engel wieder gegangen war, rief Kornelius zwei seiner Diener sowie einen gläubigen Soldaten aus seinem persönlichen Gefolge zu sich. 8 Er berichtete ihnen alles, was er soeben erlebt hatte, und schickte sie dann nach Joppe.

Die Vision von Petrus in Joppe
9 Um die Mittagszeit des folgenden Tages - die Boten des Kornelius waren noch unterwegs, näherten sich aber bereits der Stadt - stieg Petrus zum Beten auf das flache Dach des Hauses, in dem er zu Gast war. 10 Nach einiger Zeit wurde er hungrig und bat darum, etwas zu essen zu bekommen. Während ihm nun eine Mahlzeit zubereitet wurde, hatte er eine Vision. 11 Er sah, wie durch eine Öffnung im Himmel eine Art Gefäß herabkam, ein riesiges leinenes Tuch, das - gehalten an seinen vier Ecken - auf die Erde heruntergelassen wurde. 12 In dem Tuch befanden sich Tiere aller Art - Vierfüßer, Reptilien und Vögel. 13 Nun hörte er eine Stimme: „Auf, Petrus, schlachte und iß!“ 14 „Auf gar keinen Fall, Herr!“ entgegnete Petrus. „In meinem ganzen Leben habe ich noch nie etwas Unheiliges und Unreines gegessen!“ 15 Doch die Stimme wiederholte ihre Aufforderung. „Was Gott für rein erklärt hat, das behandle du nicht, als wäre es unheilig!“ sagte sie. 16 Und noch ein drittes Mal wurde Petrus zum Essen aufgefordert. Danach verschwand das Tuch so plötzlich wieder im Himmel, wie es gekommen war.

Die Boten des Kornelius bei Petrus
17 Während Petrus sich noch den Kopf darüber zerbrach, was diese Vision wohl bedeutete, kamen auch schon die Männer an, die Kornelius geschickt hatte. Sie hatten sich zu Simons Haus durchgefragt und standen jetzt unten vor dem Eingangstor. 18 „Ist hier ein gewisser Simon mit dem Beinamen Petrus zu Gast?“ riefen sie. 19 Da sagte der Geist Gottes zu Petrus, der immer noch über die Vision nachdachte: „Hast du es mitbekommen? Vor dem Haus sind drei Männer, die zu dir wollen. 20 Darum steh jetzt auf und geh nach unten. Sie werden dich bitten, mit ihnen zu kommen. Folge ihnen ohne Bedenken; ich selbst habe sie geschickt.“ 21 Da ging Petrus zu den Männern hinunter und sagte: „Ich bin der, den ihr sucht. Aus welchem Grund seid ihr gekommen?“ 22 „Hauptmann Kornelius hat uns geschickt“, antworteten sie, „ein frommer und gerechter Mann, der an den Gott Israels glaubt und bei der ganzen jüdischen Bevölkerung in hohem Ansehen steht. Er hat von einem heiligen Engel den Auftrag erhalten, dich in sein Haus einzuladen, um zu erfahren, was du ihm zu sagen hast.“ 23 Als Petrus das hörte, bat er die Männer herein und sorgte dafür, daß sie bei Simon übernachten konnten.

Petrus bei Kornelius
Gleich am nächsten Morgen machte sich Petrus mit ihnen auf den Weg, begleitet von einigen Brüdern aus Joppe. 24 Am darauffolgenden Tag kamen sie in Cäsarea an. Kornelius, der seine Verwandten und seine engsten Freunde zu sich eingeladen hatte, erwartete sie bereits.

25 Als Petrus nun vor dem Haus von Kornelius stand und im Begriff war, durch das Tor zu treten, kam Kornelius ihm entgegen und warf sich ehrfurchtsvoll vor ihm nieder. 26 Doch Petrus zog ihn wieder hoch. „Steh auf!“ sagte er. „Ich bin auch nur ein Mensch.“ 27 Und während er begann, sich mit Kornelius zu unterhalten, betrat er das Haus. Überrascht sah er die vielen Leute, die sich dort zusammengefunden hatten. 28 „Ihr wißt sicher“, sagte er zu ihnen, „daß es einem Juden nicht gestattet ist, engeren Kontakt mit jemand zu haben, der zu einem anderen Volk gehört, oder ihn gar in seinem Haus zu besuchen. Aber Gott hat mir unmißverständlich klargemacht, daß man keinen Menschen nur wegen seiner Herkunft als unheilig oder unrein bezeichnen darf. 29 Daher habe ich auch keinen Einspruch erhoben, als man mich hierher holte. Und nun laßt mich wissen, aus welchem Grund ihr nach mir geschickt habt!“

30 Kornelius erwiderte: „Vor drei Tagen war ich genau um diese Zeit, nachmittags gegen drei Uhr, hier in meinem Haus am Beten, als plötzlich ein Mann in einem leuchtend weißen Gewand vor mir stand. 31 ‚Kornelius!‘ sagte er. ‚Dein Beten ist erhört worden, und wieviel Gutes du den Armen tust, weiß Gott sehr wohl. 32 Schicke daher Boten nach Joppe zu einem Simon mit dem Beinamen Petrus und lade ihn zu dir ein; er ist bei dem Gerber Simon zu Gast, dessen Haus direkt am Meer liegt.‘ 33 Daraufhin schickte ich sofort einige Leute zu dir, und du bist so freundlich gewesen, zu uns zu kommen. Nun sind wir alle hier in Gottes Gegenwart versammelt, um zu hören, was du uns im Auftrag des Herrn alles zu sagen hast.“

Das Evangelium wird zum ersten Mal vor Nichtjuden verkündet
34 „Wahrhaftig“, begann Petrus, „jetzt wird mir klar, daß Gott keine Unterschiede zwischen uns Menschen macht! 35 Er fragt nicht danach, zu welchem Volk jemand gehört, sondern nimmt jeden an, der Ehrfurcht vor ihm hat und tut, was gut und richtig ist.

36 Was ich euch bringe, ist die Botschaft, die Gott den Israeliten verkünden ließ - das Evangelium vom Frieden durch den, der über alle Menschen Herr ist, Jesus Christus. 37 Ihr habt sicher von den Ereignissen erfahren, die sich über das ganze jüdische Land hin zugetragen haben. Angefangen hatte es in Galiläa, nachdem Johannes zur Taufe aufgerufen hatte: 38 Jesus von Nazaret wurde von Gott mit dem Heiligen Geist gesalbt und mit Kraft erfüllt und zog dann im ganzen Land umher, tat Gutes und heilte alle, die der Teufel in seiner Gewalt hatte; denn Gott war mit ihm. 39 Wir Apostel sind Zeugen von all dem, was er im jüdischen Land und in Jerusalem getan hat. Und dann hat man ihn getötet, indem man ihn ans Kreuz hängte. 40 Doch drei Tage danach hat Gott ihn auferweckt, und in Gottes Auftrag hat er sich als der Auferstandene gezeigt - 41 allerdings nicht dem ganzen Volk, sondern nur denen, die Gott im voraus zu Zeugen bestimmt hatte, nämlich uns. Mit uns hat er, nachdem er von den Toten auferstanden war, sogar gegessen und getrunken. 42 Und er gab uns den Auftrag, dem ganzen Volk seine Botschaft zu verkünden und mit allem Nachdruck zu bezeugen, daß er der von Gott eingesetzte Richter ist, der über die Lebenden und über die Toten das Urteil sprechen wird. 43 Schon die Propheten haben von ihm geredet. Durch ihn, so bezeugen sie alle übereinstimmend, bekommt jeder die Vergebung seiner Sünden, der an ihn glaubt.“

Auch Nichtjuden erhalten den Heiligen Geist
44 Während Petrus noch über diese Dinge sprach, kam der Heilige Geist auf alle herab, die seine Botschaft hörten. 45 Die Gläubigen jüdischer Herkunft, die mit Petrus gekommen waren, waren außer sich vor Verwunderung, daß der Heilige Geist, dieses Geschenk Gottes, auch auf Nichtjuden ausgegossen wurde. 46 Doch es war offensichtlich: Sie hörten, wie die Versammelten in unbekannten Sprachen redeten und wie sie Gott für seine Größe priesen.

Schließlich wandte sich Petrus an seine Begleiter und sagte: 47 „Wer dürfte es jetzt noch wagen, sich dagegen zu stellen, daß diese Leute mit Wasser getauft werden - jetzt, wo sie genau wie wir den Heiligen Geist empfangen haben?“ 48 Und er ordnete an, sie im Namen von Jesus Christus zu taufen. Danach blieb er auf ihre Bitte hin noch einige Tage bei ihnen.