Gleicher Lohn für alle!? - ... steht plötzlich alles Kopf

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Gleicher Lohn für alle!?
An einem Tag wie jeder andere ...
... steht plötzlich alles Kopf
Wer sich für gesund hält, geht nicht zum Arzt
Macht Liebe neidisch?
Das Päckchen für dich, das Paket für mich
Liebe lässt sich nicht halbieren
Wir wollen das, was wir schon haben!
Sieh doch, das Gute liegt so nah!
Alle kriegen was zu hören
Wer bei Gott Karriere macht ... und wer nicht
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... steht plötzlich alles Kopf

Es wird Mittag, es wird Nachmittag, die letzte Stunde bricht an, und schließlich ist der Zeitpunkt da, wo alle ihren Lohn ausgezahlt bekommen. „Wenn jemand um Tageslohn für euch arbeitet, dann zahlt ihm seinen Lohn noch am selben Tag aus“, heißt es im Gesetz des Mose (3. Mose 19, 13). Und jetzt, mit einem Mal, läuft alles anders ab als üblich. Üblich wäre, dass der Lohn gestaffelt ist, je nach Arbeitszeit. Doch hier bekommen alle, vom ersten bis zum letzten, denselben vollen Lohn, einen Denar. Üblich wäre zudem, dass die ersten als erste an der Reihe sind (sie waren schließlich sowieso schon den ganzen Tag auf den Beinen). Doch hier erhalten die Letzten ihren Lohn als erste, und die Ersten müssen warten bis zum Schluss.

Wenn wir herausfinden wollen, was Jesus uns mit seinen Geschichten beibringen möchte, müssen wir genau auf die Stellen achten, wo's nicht mehr rund läuft, wo die Ereignisse sozusagen gegen den Strich gebürstet sind. In unserem Fall sind das also diese beiden Punkte: (a) dass alle den gleichen Lohn bekommen und (b) dass die Ersten ihren Lohn als letzte kriegen.

Wo wären wir, wenn Gott nicht wäre?

Sehen wir uns diese beiden Auffälligkeiten der Reihe nach an. Zuerst die Sache mit dem Einheitslohn. Auffällig daran ist nicht, dass die Ersten einen Denar bekommen; das war ja so abgemacht; da ging alles mit rechten Dingen zu. Auffällig ist, dass die Späteren mehr kriegen, als sie erwarten konnten, und je später sie mit der Arbeit im Weinberg angefangen haben, desto größerer wird das Missverhältnis zwischen Leistung und Lohn. In gewissem Sinn bekommen die von der letzten Stunde zwölfmal soviel wie die Ersten! Warum tut der Gutsbesitzer das? Er sagt es selbst: „Weil ich so gütig bin!“ (Vers 15) Er sieht diese armen Kerle vor sich stehen. Er stellt sich vor, wie sie nach Hause kommen, mit einem zwölftel Denar (einem Pondion - so hieß diese Winzig-Münze). Wie sollen sie damit all die hungrigen Mäuler stopfen? Er hat Erbarmen mit ihnen. Und er gibt ihnen so viel, als hätten sie den ganzen Tag für ihn gearbeitet. Damit sie wenigstens heute richtig satt werden.

So ist Gott. (Vergessen wir nicht: Es geht in diesem Gleichnis ums Himmelreich; der Besitzer des Weinbergs ist Gott!) Das will uns Jesus lehren: Mein Vater ist gütig. Wenn mein Vater euch für etwas belohnt, dann rechnet er nicht nach Heller und Pfennig ab, nein, er schüttet euch einen ganzen Geldsack in den Schoß. So großzügig geht es im Reich meines Vaters zu. Wo er herrscht, herrscht Überfluss.

Wenn Gott ein Pfennigfuchser wäre, ein Rappenspalter - du liebe Zeit, da wäre es schlecht um uns alle bestellt! Wenn Gott uns wirklich genau das geben würde, was wir verdient hätten - ja, wo wären wir denn da? So viele Jahre unseres Lebens haben wir vergeudet, ohne überhaupt nach Gott zu fragen. Wollen wir, dass er uns das angemessen anrechnet? So oft haben wir ihn mit unserem Tun beleidigt. Wollen wir, dass er uns das heimzahlt? Wollen wir Gott ernsthaft eine Leistungsabrechnung vorlegen und auf unseren Lohn pochen? Der Lohn könnte nur darin bestehen, dass Gott uns für immer von sich stoßen müsste.

Aber zum Glück (zu unserem Glück!) rechnet Gott anders. Zu unserem Glück ist sein Lohn kein Leistungslohn, sondern ein Gnadenlohn. Er hat sich bereits rückhaltlos für uns eingesetzt, als wir noch seine Feinde waren. „Gott beweist uns seine Liebe dadurch, dass Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren.“ (Römer 5, 8). Und jetzt, wo wir seine Kinder sind, lässt er weiterhin Gnade vor Recht ergehen. Ich weiß, wir alle haben unsere Vorzeige-Frömmigkeit: Dass wir am Sonntag mit schöner Regelmäßigkeit im Weißen Saal aufkreuzen. Dass wir uns in der Bibel doch ein gutes Stück besser auskennen als dieser Neuling, der in der Kleingruppe immer wie wild in der Bibel blättert, weil er noch nicht mal weiß, dass die Evangelien im Neuen Testament stehen. Dass wir als treue Beter keine Gebetsstunde verpassen. Dass wir der Missionarsfamilie in Polynesien pünktlich an jedem Monatsersten einen Hunderter überweisen. Darauf sind wir stolz, dafür möge Gott uns, bitteschön, ordentlich belohnen. Aber wer eine Vorzeigeseite hat, der hat auch eine Damit-halte-ich-lieber-hinterm-Berg-Seite. Es gibt so vieles, auf das wir alles andere als stolz sind. So viele Nachlässigkeiten, so viele Versäumnisse, so viel Gleichgültigkeit. Wir sind heilfroh, dass die anderen in der Gemeinde davon nichts mitkriegen (hoffen wir wenigstens!). Nun, Gott kriegt alles mit. Gott umgibt uns von allen Seiten. Für ihn ist unsere Rückseite nicht weniger zugänglicher als unsere Vorderseite. Und es gibt nichts, was sich hinter seinem Rücken abspielen könnte. Er kennt unseren Einsatz für ihn. Aber er kennt auch die Zeiten der Trägheit, wo wir es mit dem Glauben nicht so genau nehmen, wo wir uns lieber von ihm fernhalten als seine Nähe suchen. Soll Gott das alles wirklich korrekt und gerecht gegeneinander aufrechnen? Meint ein einziger, er könne dann noch vor ihm bestehen? Wir können von Glück sagen, dass Gott so gütig ist. Er zahlt uns zwölffach, hundertfach, tausendfach mehr, als wir mit unserem bisschen Frömmigkeit beanspruchen könnten.

Noch ein Nach-Gedanke zum Einheitslohn. Einheitslohn bedeutet immer auch Nivellierung. Alle stehen auf derselben Stufe. Unterschiede spielen keine Rolle mehr. Vor dem Kreuz sind tatsächlich alle gleich: der Reiche und der Arme, der Kluge und der Dumme, der Fromme und der Gottlose. „Nivellierung“ hat meistens einen negativen Beigeschmack: Das Herausragende wird eingeebnet, das Besondere wird Gewöhnlich, man findet sich ganz bescheiden auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner wieder. Aber die von Gott inszenierte Nivellierung wirkt sich positiv aus, nicht negativ. Das macht sie so toll. Wir werden nicht herabgestuft, wir werden aufgewertet. Es ist nicht so, dass Jesus allen alles wegnimmt, uns also auf die tiefste Stufe herunterzerrt. Nein, alle bekommen alles; Jesus hebt uns auf die denkbar höchste Stufe hoch. Nivellierung auf allerhöchstem Niveau. So ist Gott. So gut, so gütig.