Gleicher Lohn für alle!? - Das Päckchen für dich, das Paket für mich

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Gleicher Lohn für alle!?
An einem Tag wie jeder andere ...
... steht plötzlich alles Kopf
Wer sich für gesund hält, geht nicht zum Arzt
Macht Liebe neidisch?
Das Päckchen für dich, das Paket für mich
Liebe lässt sich nicht halbieren
Wir wollen das, was wir schon haben!
Sieh doch, das Gute liegt so nah!
Alle kriegen was zu hören
Wer bei Gott Karriere macht ... und wer nicht
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Das Päckchen für dich, das Paket für mich

Eine raffinierte Frage, das. Fast so etwas wie eine Fangfrage. Wer will schon zugeben, dass er neidisch wird, wenn es einem anderen gut geht? „Natürlich bin ich nicht neidisch! Ich freu mich für ihn.“ Aber in uns kocht und brodelt es: Unfair ist das, ungerecht! Immer sind es die anderen, die so unverschämtes Glück haben. Da macht mein Nachbar ein einziges Mal bei einem Preisausschreiben mit - und prompt gewinnt er eine Kreuzfahrt in der Karibik. Ich habe schon hundert solche Zettel ausgefüllt ohne den geringsten Erfolg. Nicht mal zu 'nem Trostpreis hat's bei mir gereicht.

Anders wäre es natürlich, wenn ich derjenige wäre, welcher ... In meinem Fall würde ich mir die Gnade natürlich gefallen lassen. Ist das nicht merkwürdig? Wir haben zu Gottes Güte ein gespaltenes Verhältnis, eine gespaltene Wahrnehmung. Macht Gott jemand anders ein Geschenk - „Wie unverdient! Wie ungerecht!“ Macht Gott uns das Geschenk - „Nur her damit, das kommt ja wie gerufen! Wunderbar, wie lieb Gott zu mir ist!“ Soll Gott seinen Segen nur bei uns abladen! Unsere Schultern sind breit genug, unser Rücken ist stark genug, da passt noch mal ein Zentner drauf. Alles kein Problem. Aber ob wir es denn überhaupt verdient haben, ob es von Gott überhaupt gerecht ist, uns so zu beschenken - diese Frage stellen wir uns gar nicht erst. Die stellen wir nur beim lieben Nachbarn - und dort nicht erst nach einem Zentner, sondern schon bei hundert Gramm.

Jesus hat einmal (in einem anderen Zusammenhang) vom Splitter und vom Balken geredet, vom Splitter im Auge des Mitchristen und vom Balken im eigenen Auge. Gnadenlos entdecken wir Splitter im Auge des anderen, kleine Sünden, die uns mächtig auf den Keks gehen, und geflissentlich übersehen wir den Balken, der in unserem eigenen Auge steckt und den wir doch erst einmal herausoperieren müssen, ehe wir ein klares Urteil über uns und den anderen fällen können. Splitter und Balken - groteske Größenverhältnisse, grotesk verschobene Wahrnehmung.

Genauso ist es auch bei der Gnade. Vor unserer eigenen Haustür darf Gott seine Care-Pakete gleich säckeweise abladen; beim Mitchristen stört uns schon das kleinste Päckchen.  Für uns selbst berufen wir uns auf Gottes Güte, für den Mitmenschen auf Gottes Gerechtigkeit. Für unsere eigenen Schwächen halten wir immer eine passende Ausrede bereit; die Schwächen der anderen entlarven wir als krasses Versagen. Über die eigenen Sünden breiten wir den Mantel der Barmherzigkeit aus; auf die Sünden der anderen weisen wir so lange mit ausgestrecktem Zeigefinger hin, bis alle sie entdeckt haben. Unsere eigenen Beiträge für die Gemeinde halten wir für unentbehrlich; an den Beiträgen der anderen entdecken wir immer irgend ein Haar in der Suppe. Jesus möchte, dass es umgekehrt ist: Wir sollen streng sein mit uns selbst und nachsichtig gegenüber anderen.