„Hast du mich lieb?“

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„Hast du mich lieb?“
Ein grosser Mann mit einem grossen Schatten
Jesus, der Magnet, der Chef, der Hirte
Die Frage aller Fragen
Eine ehrliche Antwort
Bei Gott bleibt niemand arbeitslos
Ungewohnte Perspektiven
Nachtrag: Zwei Sorten Liebe?
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Johannes 21,15-22

Heute ist Palmsonntag - der Tag, an dem Jesus unter dem Jubel seiner Landsleute in Jerusalem einzog. Sein Weg führte ihn von Betanien her den Ölberg hinauf und dann steil hinunter in die Stadt; dort wollte er zusammen mit seinem Volk das Passafest feiern. Jesus ritt auf einem jungen Esel wie ein König, und die begeisterte Menge rollte den roten Teppich vor ihm aus (fast ein bisschen wie Hollywood) - genauer gesagt: sie breiteten ihre Mäntel auf dem Weg vor ihm aus und streuten Zweige auf den Boden, Myrtenzweige zum Beispiel und Palmwedel (deshalb „Palmsonntag“). „Hosianna!“, riefen sie. „Gepriesen sei der Sohn Davids! Gesegnet sei er, der im Namen des Herrn kommt! Gepriesen sei Gott in der Höhe!“ (Matthäus 21,9) Ein paar Tage später war Jesus tot. Hingerichtet von den römischen Besatzungstruppen auf Verlangen derselben Volksmenge, die eben noch Hosianna geschrieen hatte. Diesmal schrieen sie: „Ans Kreuz mit ihm! Ans Kreuz mit ihm!“ Und wieder ein paar Tage später war Jesus wieder lebendig. Auferstanden aus dem Grab durch die unvergleichliche Macht Gottes. Jesus war gestorben, obwohl er nie auch nur die kleinste Sünde begangen hatte. Der Tod konnte ihn nicht festhalten; er hatte kein Anrecht auf sein Leben.

Mit Palmsonntag beginnt die Passionszeit, die so genannte Karwoche [„Kar-„ kommt aus dem Althochdeutschen und bedeutet so viel wie „Wehklagen, Trauern“].  Für Jesus war es die aufregendste Woche seines irdischen Lebens, mit dem absoluten Tiefpunkt an Karfreitag (sein Tod am Kreuz) und dem absoluten Höhepunkt am Ostersonntag (seine Auferstehung aus dem Grab).

Eine Geschichte mit Vorgeschichte

Für diese Predigt habe ich eine Begebenheit ausgesucht, die sich in den Tagen nach der Auferstehung zugetragen hat. Keine Angst, ich habe Palmsonntag nicht mit Ostern verwechselt. Aber an dieser Begebenheit ist etwas Besonderes: Sie beginnt sozusagen in der Karwoche und findet ihren Abschluss, nachdem Jesus Christus auferstanden ist. Hören Sie selbst, und Sie werden sehen, ob ich Recht habe. Die Geschichte spielt übrigens am Ufer des Sees Gennesaret, im Kreis von Jesus und seinen Jüngern, nach einem wundervollen Fischfang und einem gemeinsamen Frühstück.

15 Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als irgendein anderer hier? Petrus gab ihm zur Antwort: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Darauf sagte Jesus zu ihm: „Sorge für meine Lämmer! 16 Jesus fragte ihn ein zweites Mal: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Petrus antwortete: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Da sagte Jesus zu ihm: „Hüte meine Schafe! 17 Jesus fragte ihn ein drittes Mal: „Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Petrus wurde traurig, weil Jesus ihn nun schon zum dritten Mal fragte: „Hast du mich lieb? - „Herr, du weißt alles, erwiderte er. „Du weißt, dass ich dich lieb habe. Darauf sagte Jesus zu ihm: „Sorge für meine Schafe!

18 Ich möchte dir etwas sagen: Als du noch jung warst, hast du dir den Gürtel selbst umgebunden und bist gegangen, wohin du wolltest. Doch wenn du einmal alt bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dir den Gürtel umbinden und dich dahin führen, wo du nicht hingehen willst. 19 Jesus deutete damit an, auf welche Weise Petrus sterben würde und dass durch seinen Tod die Herrlichkeit Gottes offenbart würde. Er schloss, indem er sagte: „Folge mir nach!

20 Petrus wandte sich um und sah, dass der Jünger, den Jesus besonders liebte, ihnen folgte - jener Jünger, der sich damals beim Abendessen zu Jesus hinübergelehnt und ihn gefragt hatte: „Herr, wer wird dich verraten? 21 Als Petrus ihn sah, fragte er Jesus: „Herr, und was wird aus diesem hier? 22 Jesus erwiderte: „Wenn ich will, dass er am Leben bleibt, bis ich wiederkomme, was geht dich das an? Folge du mir nach!

Was ist das Auffälligste an dieser Geschichte? Dass Jesus Petrus fragt: „Hast du mich lieb?“? Nein, dass Jesus Petrus dreimal fragt: „Hast du mich lieb?“

„Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?“ Petrus bejaht. Doch dann, als würde das nicht genügen, ein zweites Mal: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?“ Petrus bejaht wieder. Aber Jesus gibt sich immer noch nicht zufrieden. Er fragt ein drittes Mal (jetzt wird einem beinahe unheimlich): „Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb?“ Wieder und wieder dieselbe Frage, hartnäckig, unerbittlich. Als würde Jesus Petrus nicht glauben. Und damit sind wir mittendrin in der Vorgeschichte zu dieser Geschichte, mitten in der Karwoche. Als Jesus gefangen genommen wurde und ihm der Prozess gemacht wurde, hat Petrus ihn dreimal verleugnet. Dreimal hat er abgestritten, Jesus zu kennen. Als es für ihn selbst gefährlich wurde, wollte er plötzlich nichts mehr mit diesem Jesus zu tun haben. Erst verneinte er, dann schwor er, am Ende fluchte er. Wir können das in allen vier Evangelien nachlesen, z. B. in Matthäus, Kapitel 26, 69-75:

Petrus saß noch draußen im Hof, als eine Dienerin auf ihn zutrat und sagte: „Du warst doch auch mit diesem Jesus aus Galiläa zusammen! Aber Petrus stritt es vor allen Leuten ab. „Ich weiß nicht, wovon du redest, sagte er.

Als er danach zum Eingangstor ging, sah ihn eine andere Dienerin und sagte zu denen, die dort standen: „Der war auch mit diesem Jesus von Nazaret zusammen. Wieder stritt Petrus es ab, diesmal sogar mit einem Schwur: „Ich kenne den Menschen nicht!

Doch es dauerte nicht lange, da traten die Umstehenden auf ihn zu und sagten: „Natürlich bist du auch einer von ihnen; deine Sprache verrät dich. Petrus begann, Verwünschungen auszustoßen, und schwor: „Ich kenne den Menschen nicht!

In diesem Augenblick krähte der Hahn. Da erinnerte sich Petrus daran, wie Jesus zu ihm gesagt hatte: „Bevor der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte in bitterer Verzweiflung.

Dreimal hat Petrus Jesus verleugnet; dreimal wird er nach seiner Liebe zu Jesus gefragt. Der Zusammenhang ist mit Händen zu greifen: Jesus arbeitet die dunkelste Stunde im Leben des Petrus auf.