„Hast du mich lieb?“ - Jesus, der Magnet, der Chef, der Hirte

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„Hast du mich lieb?“
Ein grosser Mann mit einem grossen Schatten
Jesus, der Magnet, der Chef, der Hirte
Die Frage aller Fragen
Eine ehrliche Antwort
Bei Gott bleibt niemand arbeitslos
Ungewohnte Perspektiven
Nachtrag: Zwei Sorten Liebe?
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Jesus, der Magnet

Petrus muss seit der Verleugnung innerlich total zerrissen gewesen sein. Er hatte in bitterer Verzweiflung geweint, sein Treuebruch tat ihm von Herzen leid. Aber dann stirbt Jesus. Aus, vorbei; keine Chance mehr auf Wiedergutmachung! Tiefste Depression! Den anderen Jüngern wagt er nicht mehr in die Augen zu blicken. Doch dann wird ihm berichtet, das Grab sei leer! Wie von der Tarantel gestochen rennt er hin, überzeugt sich selbst. Gibt es vielleicht doch noch Hoffnung für ihn? Kann er vielleicht doch noch mal mit Jesus sprechen, um Verzeihung bitten? Und dann zeigt sich der auferstandene Jesus ihm und den anderen Aposteln. Jetzt wissen sie: Er lebt tatsächlich. Was für eine Erleichterung! Aber gleichzeitig wächst bei Petrus die Angst: Wird Jesus überhaupt noch etwas von mir wissen wollen - nach dem, was ich ihm angetan habe? Habe ich nicht jedes Recht verspielt, Anführer der Jüngerschar zu sein? Gehöre ich überhaupt noch zum Jüngerkreis? Und dann zeigt sich Jesus den Jüngern am See Gennesaret, als sie mit ihren Booten zum Fischen gefahren waren. Sowie Petrus begreift, dass es sich um Jesus handelt, springt er aus dem Boot und schwimmt los, um so schnell wie möglich am Ufer und bei Jesus zu sein. Petrus zieht es mit aller Macht zu Jesus, obwohl er sich vor Jesus fürchtet. Er braucht endlich Klarheit. So kann er nicht weiterleben. Jetzt ist der Zeitpunkt für die überfällige Aussprache gekommen.

Jesus, der Chef

Ich bin überzeugt, dass die anderen Jünger bei diesem Gespräch dabei waren. Sie wussten natürlich von der Verleugnung. Ob sie Petrus je wieder als ihren Anführer akzeptiert hätten? Ohne Klärung dieser dunklen Geschichte hätten sie immer einen Ansatzpunkt zur Kritik gehabt, wenn ihnen an seinem Führungsstil etwas nicht passte. Petrus hätte nie mehr mit Vollmacht und Überzeugungskraft auftreten können. Deshalb bringt Jesus die Sache vor allen zur Sprache. Jetzt ist klar: Der Chef höchstpersönlich hat Petrus vergeben. Der Chef hat ihn wieder in sein Amt eingesetzt. Keiner darf mehr mit dem Finger auf ihn zeigen. Petrus hat Rückendeckung von höchster Stelle.

Jesus, der Hirte

Etwas anderes wird ebenfalls deutlich: Jesus ist ein großartiger Seelsorger. Ja, er bringt die Schuld zur Sprache. Aber er tut es auf die feinfühligste Art, die man sich nur denken kann. „Liebst du mich?“ Nicht: Petrus, wie war das denn genau, als du mich verleugnet hast? Welche Ausdrücke hast du beim Fluchen verwendet? Petrus, plagt dich das nicht? Petrus, wie konntest du nur! (Das hat Petrus sich doch selbst schon hundertmal gefragt!) Jesus wühlt nicht in der alten Schuld. Er stellt ihn vor den anderen nicht bloß. Eine einzige Frage, dreimal gestellt, reicht aus: „Hast du mich lieb?“ Jetzt weiß jeder, worum es geht, ohne dass die Sünde beim Namen genannt werden muss. Das ist die Art, wie Jesus mit uns verfährt: So streng wie eben nötig; so schonend wie irgend möglich.

Die seelsorgerliche Weisheit von Jesus zeigt sich einfach auch daran, dass er Petrus dreimal fragt. Er gibt ihm damit gewissermaßen Gelegenheit, die dreifache Verleugnung rückgängig zu machen. Dreimal hat Petrus abgestritten, Jesus zu kennen; dreimal darf er nun seine Liebe zu Jesus bezeugen.

Interessant ist hier übrigens auch die Anrede: „Simon, Sohn des Johannes“. So hat Jesus Petrus bisher nur einmal angesprochen, ganz zu Anfang, bei der allerersten Begegnung, Johannes 1, 42. Und dann hat er ihm einen neuen Namen gegeben: Petrus, „Fels“. Der Name als Auftrag, als Amt. Aber mit diesen neuen Namen redet er ihn jetzt nicht an. Petrus darf sich jetzt nicht hinter seinem Amt verstecken; seine Rolle als Anführer bietet ihm keinen Schutz. Kein Diplomatenstatus, keine Immunität! Nein, Jesus geht nochmals ganz an den Anfang zurück: „Simon, Sohn des Johannes!“ Wir müssen noch einmal einen Neuanfang miteinander machen.