Heilung auf Raten - Die Gesetzeslehrer: fromme Spitzel mit unheiligen Motiven

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Heilung auf Raten
Die Freunde des Gelähmten: vorbildlich in ihrem Glauben
Die Gesetzeslehrer: fromme Spitzel mit unheiligen Motiven
Jesus Christus: der Interessanteste von allen
1. Lektion: Zwischen Krankheit und Sünde besteht ein Zusammenhang
2. Lektion: Sünde ist schlimmer als Krankheit; Vergebung ist wichtiger als Heilung
3. Lektion: Jesu eigentlicher Auftrag
4. Lektion: Wie Jesus als Seelsorger handelt
5. Lektion: Was gehen Jesus die Sünden anderer Menschen an?
Wie Jesus sich als Sohn Gottes in unserer Welt eingeführt hat
Zwei mögliche Schlussfolgerungen
Die zweite Rate der Heilung
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2. Die Gesetzeslehrer: fromme Spitzel mit unheiligen Motiven

Eine andere Gruppe interessanter Personen in dieser Geschichte sind die Schriftgelehrten. Ihre Aufgabe war das Studium des alttestamentlichen Gesetzes. Sie wachten darüber, dass es richtig ausgelegt und richtig angewendet wurde. Für das einfache Volk waren sie die Lehrautorität in allen religiösen Fragen. Die meisten von ihnen gehörten der Partei der Pharisäer an, einer besonders gesetzestreuen Richtung im damaligen Judentum, und das erhöhte ihr Ansehen beim Volk noch.

Warum waren sie da? Waren sie neugierig? Warteten sie auf ein spektakuläres Wunder? Freuten sie sich auf eine spannende Predigt? Glaubten sie womöglich an Jesus? Leider nein. Sie waren gekommen, um ihn aus dem Weg zu räumen. Jesus passte ihnen nicht ins Konzept. Bis dahin waren sie vom Volk verehrt und bewundert worden. Jetzt liefen die Leute zu hunderten und tausenden Jesus nach. Das machte sie neidisch. Außerdem sagte Jesus Dinge, die sich nicht in ihr Weltbild fügten. Das empfanden sie als Angriff auf die Fundamente ihrer Religion. Jesus musste aus dem Verkehr gezogen werden. Aber wie? Offen attackieren konnten sie ihn nicht; dazu hing das Volk viel zu sehr an ihm. Sie mussten einfach hoffen, dass er irgendwann etwas machte oder etwas sagte, was ganz offensichtlich gegen Gott gerichtet war. Das könnten sie ihm dann um die Ohren schlagen, und damit wäre er erledigt. Was also tun? Die frommen Gesetzeslehrer reisten Jesus hinterher. Sie klebten an ihm wie Kletten. Sie klopften jedes seiner Worte ab, nahmen jede seiner Handlungen unter die Lupe - immer in der Hoffnung, auf etwas zu stoßen, was nicht lupenrein war. Lukas, der diese Geschichte in seinem Evangelium ebenfalls erzählt, berichtet uns, dass die Pharisäer und Gesetzeslehrer eigens aus Jerusalem angereist waren, aus dem Kernland Judäa in das heidnische Galiläa. Als so bedrohlich empfanden sie Jesus!

Wissen Sie, was mich beschäftigt? Die frommen Spitzel sind eine Spezies, die leider bis heute nicht ausgestorben ist. Und heute wie damals sind Gottesdienste ihr liebstes Betätigungsfeld. Sie haben sich selbst zu Wächtern der Gemeinde ernannt, zu Hütern der reinen Lehre. Und deshalb spionieren sie allem hinterher, was da so abgeht. Sie warten geradezu auf einen schiefen Ton, auf eine unorthodoxe Aussage. Und wenn sie etwas gefunden haben (sie werden immer etwas finden), dann warnen sie. Leider warnen sie meist nicht offen und nicht direkt; sie warnen hinter vorgehaltener Hand und hinter verschlossenen Türen. Wie viele gute Ideen sind dadurch schon im Keim erstickt worden. Wie viele tatkräftige Mitarbeiter haben sich dadurch schon entmutigen lassen. Wie viele blühende Gemeinden sind daran schon zugrunde gegangen.

Und wissen Sie, was ich an Jesus bewundere? Er ließ sich von diesen Spitzeln nicht drausbringen. Wenn er sie unter seinen Zuhörern entdeckte, dann wurden ihm nicht die Knie weich. Nein, er ging in die Offensive; er dreht den Spieß um und attackierte sie - nicht hinterhältig wie sie, aber doch sehr bestimmt und immer klug und liebevoll. Meistens ärgerten sie sich hinterher noch mehr als vorher. Aber ab und zu passierte es, dass einer von ihnen die Fronten wechselte. Er wurde so von Jesu Liebe und Weisheit gepackt, dass er seine Spionagetätigkeit vergaß und sich für das Evangelium öffnete.