„Herzlichen Glückwunsch!“ - Erstes Stichwort: Gottes Reich

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„Herzlichen Glückwunsch!“
Selig??
Erstes Stichwort: Gottes Reich
Jesus Christus - der Himmelreichsbürger par excellence
Gottes Reich ist anders
Drei kleine Beobachtungen
Zweites Stichwort: Die Belohnung
Was Belohnung bedeutet
Zum Schluss: Bin ich ein Stück Nacht, oder bin ich ein Stern?
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Eine Predigt wie ein Hamburger
Mich haben, als ich über diesen Text nachdachte, vor allem zwei Dinge beschäftigt: die Frage nach dem Reich Gottes und die Sache mit dem Lohn. Wir machen es jetzt so, dass ich Ihnen diese beiden Stichworte wie ein Sandwich serviere: zuerst das Reich Gottes, zuletzt den Lohn, und dazwischen ein paar grundlegende Beobachtungen zu den Seligpreisungen. Hoffentlich schmeckt Ihnen diese Mahlzeit!

Erstes Stichwort: Gottes Reich


Es gibt in diesen acht Seligpreisungen einen Ausdruck, der zweimal vorkommt, und das ist kein Zufall - es handelt sich um den Schlüsselbegriff dieser Verse, und nicht nur dieser Verse, sondern der ganzen Bergpredigt, an deren Anfang die Seligpreisungen stehen, und überhaupt der gesamten Verkündigung von Jesus Christus. Der Begriff steht in der ersten und in der letzten Seligpreisung: „Himmelreich“ - oder, was dasselbe ist, „Reich Gottes“. Die anderen Evangelien sprechen immer vom Reich Gottes, und auch Matthäus verwendet diesen Ausdruck gelegentlich; aber meist sagt er: „Himmelreich“. Er schreibt sein Evangelium nämlich für Juden, und die Juden vermieden es aus lauter Ehrfurcht vor Gott so weit wie möglich, seinen Namen auszusprechen. Deshalb hat er „Reich Gottes“ durch „Himmelreich“ ersetzt (oder andersherum: Lukas hat „Himmelreich“ durch „Reich Gottes“ ersetzt, weil er für nichtjüdische Leser schrieb). Gemeint ist natürlich beide Male dasselbe. Der Himmel steht für den, der im Himmel regiert, Gott.

Himmelreich = Gottes Reich

Ein Kapitel vor der Bergpredigt, in Matthäus 4, wird uns berichtet, wie Jesus zum ersten Mal auftrat. Es heißt dort in Vers 17:

„Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“

Und ein paar Verse (Vers 23) weiter lesen wir:

„Jesus zog durch ganz Galiläa; er lehrte in den Synagogen und verkündete die Botschaft vom Reich Gottes.“

„Reich Gottes“ - das war offensichtlich die Quintessenz von dem, was Jesus lehrte, der Inhalt und die Zusammenfassung seiner Verkündigung. Mitten in der Bergpredigt stehen die berühmten Worte, die wahrscheinlich die meisten von uns auswendig können:

„Es soll euch zuerst um Gottes Reich und Gottes Gerechtigkeit gehen, dann wird euch das Übrige alles dazugegeben“ (oder, wie wir es von Luther her gewohnt sind: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit ...“). (Matthäus 6,33)

Wenn wir an das Neue Testament denken, fällt uns gewöhnlich eher das Stichwort Evangelium ein oder Gnade, aber kaum Reich Gottes. Irgendwie steht dieser Gedanke für uns eher am Rand. Aber haben Sie sich schon mal folgendes klar gemacht? Jedes Mal, wenn wir von Jesus als dem Herrn reden oder wenn wir im Gebet zu ihm sagen: „Herr Jesus!“, haben wir damit auch das Thema von Gottes Reich angesprochen, ob wir dran denken oder nicht. „Jesus, der Herr“, d. h. Jesus, der Herrscher, und zu einem Herrscher gehört ein Herrschaftsgebiet, und das Herrschaftsgebiet von Jesus ist Gottes Reich.

Herr = Herrscher

Das Reich Gottes: Inhalt und Zusammenfassung von Jesu Verkündigung

Was ist das denn nun genau, das Reich Gottes? Was muss man sich darunter vorstellen?
  • Denken wir zum Vergleich an das Reich eines Menschen, z. B. das Reich von Alexander dem Großen. Sein Reich - das waren sämtliche Länder und Gebiete, über die er herrschte. Ein riesiges Reich, das vom Nil bis zum Indus reichte, von Ägypten bis Indien.
  • Oder, ein etwas weniger großes, aber nicht weniger bedeutsames Reich: Der Gastgeber führt den Besuch stolz durchs ganze Haus. Vor der Küchentür bleibt er stehen und erklärt: „Das ist das Reich meiner Frau. Hier ist sie unumschränkte Herrscherin.“ (Ich glaube, in diesem Reich wäre die Frau manchmal gar nicht so unglücklich, wenn sie die Herrschaft mit ihrem Mann teilen könnte!)
  • Oder, nochmals eine andere Art von Herrschaftsgebiet: Das „Reich der Töne“. Damit  meint man die Musik, jenes unsichtbare Land, in dem Töne den Ton angeben.
Genauso verhält es sich mit dem Reich Gottes. Gottes Reich umfasst alle Gebiete, über die Gott regiert. Nun, Gott ist allmächtig. Gott ist allgegenwärtig. Gott ist „der vollkommene und alleinige Herrscher, der König über alle Könige und der Herr über alle Herren“ (1. Timotheus 6,15). Wie groß ist dann also sein Reich? Es ist nicht weniger als die ganze Erde, das ganze Universum, die sichtbare und die unsichtbare Welt! Ein gigantisches Reich! In Jesaja 66,1 sagt Gott: „Der Himmel ist mein Thron, und die Erde ist mein Fußschemel.“ Man muss sich das mal ganz plastisch vorstellen, dann begreift man etwas von den wahren Größen- und Machtverhältnissen.

{mosimage}Aber da gibt es doch noch einen anderen Machthaber, den „Herrscher dieser Welt“, wie Jesus ihn nennt (Johannes 12,31; 14,30; 16,11), den Gegenspieler Gottes, den „Teufel“ oder den „Satan“. Paulus sagt, dass dieser andere Herrscher in denen am Werk ist, die nicht bereit sind, Gott zu gehorchen (Epheser 2,2). Es gibt folglich auch noch ein zweites Reich, und dazu gehören alle, die von Gott nichts wissen wollen und sich lieber von ihrer Eigensucht beherrschen lassen.

Wie ist das denn dann? Werden diese Leute von Gott regiert oder vom Satan? Gehören sie zu Gottes Reich oder zum Reich des Teufels? Gegenfrage: Kennt Gott alle Menschen, oder kennt er nur die Christen? Unsere spontane Reaktion wäre: Klar kennt er alle Menschen. Erstens ist Gott allwissend, und zweitens hat er sie ja alle gemacht und sorgt für sie alle. Aber jetzt geben Sie mal acht: Am Ende der Bergpredigt schildert Jesus, wie er einmal am Tag des Gerichts das Urteil über uns sprechen wird. Da wird es, sagt er, Menschen geben, zu denen wird er sagen: „Geht weg von mir! Ich habe euch nie gekannt!“ (Matthäus 7,23) Nie gekannt? Natürlich hat Jesus sie gekannt. Aber ihnen war nie daran gelegen, Jesus näher kennenzulernen, und sie gaben ihm nie die Gelegenheit, sie näher kennenzulernen. Sie wollten nichts mit ihm zu tun haben, wollten keine persönliche Beziehung zu ihm aufzubauen. Und deshalb hat Jesus sie in gewissem Sinn nie gekannt.

So ähnlich ist das auch mit Gottes Herrschaft. Natürlich herrscht Gott über alle Menschen. Aber in einem tieferen Sinn herrscht er nur über die, die ihm gehören. Das Interessante ist nun: Wenn Jesus vom Reich Gottes spricht, tut er das immer nur in diesem zweiten, eingeschränkten, tieferen Sinn. Reich Gottes - das ist nicht einfach die ganze Welt. Reich Gottes - das ist nicht überall dort, wo Menschen Gottes Macht zu spüren bekommen. Nein, Reich Gottes ist dort, wo ein Mensch sich bewusst und vorbehaltlos unter Gottes Herrschaft stellt. Reich Gottes ist dort, wo jemand Gott freiwillig über seine Gedanken, seine Gefühle, seine Wünsche und seine Handlungen regieren lässt.
„Reich Gottes“
  • im weiteren Sinn: das ganze Universum
  • im engeren Sinn: die Menschen, die sich freiwillig unter Gottes Herrschaft stellen