„Konfliktbewältigung“ - IV. Konflikt gelöst?

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„Konfliktbewältigung“
Der Brief des Apostels Paulus an Philemon
I. Die Personen - 1. Paulus, Apostel und Gefangener
II. Das Dilemma
III. Wege zur Konfliktbewältigung
IV. Konflikt gelöst?
V. Taktik ist kein Tabu
Neutestamentliche Texte zur Sklavenfrage
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IV. Konflikt gelöst?

Eine Frage bleibt am Ende offen: Wie hat sich Philemon entschieden? Wir wissen es nicht. Aber denken können wir es uns: Er hat im Sinn von Paulus gehandelt. Er hat Onesimus vergeben. Er hat ihn gut behandelt. Er hat ihn wie einen Bruder behandelt, wie einen freien Menschen. Vielleicht hat er ihn tatsächlich freigelassen. Vielleicht hat er ihn sogar zu Paulus ins Gefängnis zurückgeschickt - ein Wunsch, den Paulus so quasi zwischen den Zeilen andeutet („Wenn es nach mir ginge, hätte ich ihn am liebsten hier bei mir behalten“, Vers 13; „Ich bin sicher, du wirst sogar noch mehr tun als das, worum ich dich bitte“, Vers 21). Und warum können wir uns das denken? Warum sind wir so sicher? Ganz einfach: Weil wir den Philemonbrief haben. Weil er uns erhalten geblieben ist. Weil er von den damaligen Christen aufbewahrt und abgeschrieben wurde. Wenn Philemon, als er den Brief öffnete und las, wütend geworden wäre, wenn er gesagt hätte: Der Paulus kann mich mal!, dann hätte er den Brief zerknüllt und verbrannt. Auf jeden Fall hätte er ihn ganz sicher niemand zu lesen gegeben, denn damit hätte er sich ja selbst bloßgestellt als einer, den der Wunsch des Apostels einen feuchten Dreck schert. Aber der Brief blieb uns erhalten. Philemon muss ihn anderen zu lesen gegeben haben. Und das kann er eigentlich nur getan haben, wenn er den Konflikt auch wirklich im Sinn von Paulus gelöst hat. Ich bin sicher: Philemon hat Onesimus als Bruder aufgenommen.

Einen gab es sowieso, der noch viel mehr als Philemon Interesse daran gehabt haben muss, dass dieser Brief nicht verloren ging: Onesimus. Der Brief war schließlich so etwas wie seine Freilassungs-Urkunde!

So ist dieses kleine Stück Privatkorrespondenz nicht nur ein aufschlussreiches und hochinteressantes Stück Zeitgeschichte, sondern darüber hinaus ein bewegendes Zeugnis von dem, was Jesus Christus unter uns Menschen bewirken kann: ein Zeugnis von der Weisheit zur Konfliktlösung, die Gott dem Gefangenen Paulus geschenkt hat, ein Zeugnis von der transformierenden Kraft des Evangeliums, die der Sklave Onesimus an sich selbst erlebt hat, und ein Zeugnis von der Liebe Gottes, die den Sklavenhalter Philemon dazu gebracht hat, in Onesimus nicht mehr einen Sklaven zu sehen, sondern einen Bruder.