Wie groß ist ein Drache? - Gegensatzpaare

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Wie groß ist ein Drache?
Mega: Offenbarung Kapitel 12, Vers 3
Ein Mega-Drache
Umweg statt Kurzschluss
Symbol und Wirklichkeit
Die Bedeutung des Kontextes für die Bedeutung
Gegensatzpaare
größer und kleiner
Was groß ist, kann auch klein sein
Absolute Gegensätze
Fragen, die alles offen lassen
Eine vielfach unterteilte Skala
Auf der Zielgeraden
Die Größe des Drachen
Einführung ausführlich - Wiederholung kurz und knapp
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Gegensatzpaare

Nun zu unserem konkreten Fall. Welche Bedeutung hat mega, und wie ist es in Offbg. 12,3 am besten zu übersetzen?

[Zum Folgenden siehe John Lyons, Einführung in die moderne Linguistik, München 19897, Seite 471ff]

groß gehört zu den sogenannten Antonymen, den Wörtern oder besser Wortpaaren mit entgegengesetzter Bedeutung: groß-klein, jung-alt, reich-arm. Der Begriff Antonyme ist den meisten von Ihnen wahrscheinlich fremd, aber das Gegenteil kennen Sie sicher: Synonyme, bedeutungsähnliche, bedeutungsgleiche Wörter, z. B. schauen-sehen-blicken, Metzger-Fleischer-Schlachter. [Antonym leitet sich vom Griechischen her: αντι-ονυμα (aeolisch-dorische Form von ionisch-attisch ονομα) = „Gegen-Name/Wort“. Wieder sehen Sie: Griechisch ist gar  nicht so schwer!]

Und zwar handelt es sich bei den Antonymen um die Gegensatzwörter, die gradierbar sind (in Abstufungen eingeteilt werden können), mit deren Hilfe also ein Vergleich, eine Komparation vorgenommen werden kann (groß - größer - am größten).

Achtung: Es gibt ein anderes Gegensatzverhältnis, das man gewöhnlich nicht als Antonymie bezeichnet, sondern als Komplementarität. Hier handelt es sich um Begriffe, die sich gegenseitig ergänzen, und das bedeutet im selben Atemzug auch: die sich gegenseitig ausschließen). Beispiele: männlich-weiblich; alleinstehend-verheiratet. Solche häufig paarweise auftretenden lexikalischen Einheiten/Terme stehen in einem komplementären Verhältnis zueinander: Die Negation des einen impliziert die Assertion des anderen (und umgekehrt). Die Bejahung des einen bedeutet gleichzeitig die Verneinung des anderen - einfacher gesagt: Wenn das eine zutrifft, trifft das andere nicht zu.

Beispiel:
Hans ist verheiratet impliziert Hans ist nicht alleinstehend
Hans ist nicht verheiratet impliziert Hans ist alleinstehend
Also: Wenn A, dann nicht B; wenn nicht A, dann B.

Dasselbe gilt auch bei mehr als 2 Elementen, z. B. bei den Farben.

Das Kleid ist rot impliziert Inkompatibilität sämtlicher anderen Farben (Das Kleid ist weder blau noch grün noch gelb ...).

Solche Komplementärpaare sind normalerweise nicht graduierbar, von ihnen lässt sich keine Steigerungsform bilden.
Dieses Kleid ist blauer als das andere??
X ist alleinstehender als Y??


X ist mehr verheiratet als Y?? (höchstens im übertragenen Sinn: X scheint mehr verheiratet zu sein als Y: sein Verhalten ist typischer für das, was normalerweise als charakteristisch für Verheiratete gilt).

männlicher/weiblicher?? (nicht möglich, wenn damit die Geschlechtsunterscheidung bezeichnet werden soll - die biologische Klassifikation ist dichotomisch [zweigeteilt] -, höchstens im Sinn von einer Beschreibung des Charakters und Verhaltens: Sie benimmt sich männlicher als ein Mann).